Hallo zusammen,
nach einer arbeitsbedingten Schreibpause melde ich mich wieder. Den folgenden Brief hatte Uta an Frau Dr. Jutta Ginsberg (1933-2013) geschickt. Sie haben sich Ende der 80er Jahre in Hamburg kennengelernt, und Jutta wurde eine gute Freundin von Uta; sie wurde sogar eine Art geistige Mentorin für Uta, die von ihr immer guten Rat und Orientierung auf der spirituellen Weg erhalten hat. Nach unserem Umzug nach Chiguará 1997 ist der Briefkontakt zwischen den Beiden bis zum Ende nie abgeklungen. Und ich durfte sie danach noch zweimal besuchen: 2007 fuhr ich zu ihrem Haus im Allgäu, und 2012 habe ich sie (ein letztes Mal) in ihrer Villa in Hamburg besucht. In einem kommenden Eintrag möchte ich ausführlicher auf das Thema Jutta Ginsberg eingehen.
Aber nun zum Brief:
26.Mai 2002
Liebe Jutta,
ganz lieben Dank für Deinen Anruf, wie sehr habe ich mich darüber gefreut. Leider mußte ich meinen Rückruf abbrechen, weil die vorbezahlte Karte zu Ende ging. Unser Telefon läuft über Normalstrom (ohne Strom läuft nichts) und über PrePagoCards (Vorauszahlungskarten). Den Verbrauch kann man dann immer per Tastendruck abfragen. Die Karten gibt es überall in Mérida und sie werden in den Apparat eingespeichert, über einen Nummerncode.
Was mich so bewegt hat, ist, daß Du in Deinem Katholischen Ländle ähnliche Probleme hast, wie wir hier. Wir leben hier wirklich in einem Paradies, wenn man uns ließe. Im Garten wachsen Orchideen, wilde Strelietzien, (weiß nicht, wie man das schreibt) Bananen, Kaffee, Kakao, Aprikosen, Grapefruit, Mandarinen, Orangen, Avocados, Guanábanas, Guaven, der Hibiskus in Rosa, Rot, Orange, Gelb, gefüllt + ungefüllt, ist über 3m hoch. Die Beaugainvilla wuchert in orange, weiß, fuchsia. Das Haus ist neu gestrichen und das Dach wird im August abgedichtet. Eigentlich ist alles wunderschön geworden und trotzdem zieht es uns fort von hier. Die Belästigungen von außen erreichen uns überall im Haus. Da verbrennt der Nachbar zur Frühstückszeit sein Laub und der Schmauch zieht in alle Räume incl. Praxis. Dann liegt man in der Hängematte und die Kirche donnert ihre Böller in die Luft und man meint, man sei in Afghanistan, dann schallt die elektronische Musikanlage dieses Idioten und man hört sich 18 Strophen eines Kirchenliedes an. Und wenn die mit ihren Belästigungen durch sind, dann ist irgendwo ein Fest, mit Disco und so laut, daß man den eigenen Fernseher nicht mehr hört. Der Hunger nach Musik ist hier unbeschreiblich und trotz “Gesetzgebung” kann man nicht ändern. Auch andere Anwohner sind sauer. Jede Samstagnacht schallen die Lautsprecher. Die Polizei kann “angeblich” nichts machen, sie hat Angst, denn die Beschallung kommt von der reichen Mafia und die haben alle Rechte, zumal die politische Lage etwas brenzlig ist.
Die Transporte mit dem “Stoff, aus dem die Träume sind”, rollen jede Nacht. An unserem Haus geht die Umgehungsstraße vorbei. Das einst so stille Dorf ist aufgeblüht, auch durch dieses Geschäft und nur das Geld zählt. Geld, das wissen wir heute, ist eine der größten Energien dieser Erde. Um diese Energie willen geschehen Kriege und Morde. So ist unser einst so stilles Dorf nicht wiederzuerkennen. Wenn man bedenkt, wie wenig die Leute arbeiten und was sie sich leisten, dann ist der Weg des “Geldverdienens” klar und manchmal wird auch darüber gesprochen. Zumindest weiß jeder hier, was abläuft. Der Polizeipräfekt, den ich auch auf den nächtlichen Lärm ansprach, meinte, er habe Familie. Ja und deshalb laufen hier nachts die Feten? Der Präfekt meinte: wir sind ein junges Dorf und müssen dem Rechnung tragen. Klar, ihren Stoff müssen sie nachts unter die Kinder verteilen. So einfach ist das. Alles in allem Korrupte.
Wir haben uns daraufhin ernsthaft gefragt, wie es ‘danach’ weitergehen soll und wir haben uns für die Welle entschieden. Wir mögen nichts aufbauen mit Menschen, denen die Kirche das Wort “Verantwortung” ausgetrieben hat. Du hast Recht, das hier ist ein Volk von Energiesaugern, in welcher Form auch immer.
Wir machen abends nur noch eine kurze Runde mit unseren Hunden, immer die gleiche. Erstens ist diese Route relativ frei von Autos und auch von Zecken. Die stechenden und beißenden Insekten haben, wie der Lärm, stark zugenommen. WIr vermuten oft einen bakteriellen Krieg. Scheinbar ist man auf diesem Kontinent interessiert, für die Zeit danach, und deshalb wird es gesäubert, mit Aids, Fehlgeburten durch das Tragen von Handys im Bereich der Hüfte, Dengue. Unser Freund Alberto bringt da auch viel in Zusammenhang, er sieht viel in seiner Klinik. Er hat bereits seine Kontakte nach Kuba geknüpft und wartet auf ein Angebot. Die spirituellen Menschen wollen nicht mehr die Kastanien aus dem Feuer holen für die “Sauger”. Die erste Zeit danach wird hier so schwer werden und mit den gleichen Urteilen und Vorurteilen verbunden sein wie bisher. Oder glaubst Du, daß sich die Katholen in Deinem Dorf ändern werden? Glaubst Du, daß sie menschlicher oder liebevoller sein werden? Ich glaube, der Mensch ist viel zu gierig. In Deutschland werden die Bauern nehmen - Dein Gold + Gut -, wie im 2. Welt-Krieg und hier sind die Menschen nicht anders. Es gibt nur ganz wenig liebevolle Menschen mit edler Gesinnung. So sagen wir uns, daß wir das Leben am Meer genießen möchten, mit unseren Tierchen, bis zu dem Augenblick, wenn’s vorbei sein soll. Wir wollen unser Haus für € 150.000 verkaufen. Es wäre gut bewohnbar für 3 Familien mit Kindern, denn es hat 9 Zimmer und 3 Bäder. Für Überlebenswillige in Europa also ein Schnäppchen. Nach dem Urlaub im Juni geht das Angebot in das Internet.
So, liebe Jutta, jetzt habe ich mir alles vom Herzen geschrieben. Ich habe Dich sehr lieb und ich bin zuversichtlich und habe keine Angst.
Grüß Karol von Herzen, sei gegrüßt von Sérvulo und laß Dich in Gedanken knuddeln von
Deiner Uta
nach einer arbeitsbedingten Schreibpause melde ich mich wieder. Den folgenden Brief hatte Uta an Frau Dr. Jutta Ginsberg (1933-2013) geschickt. Sie haben sich Ende der 80er Jahre in Hamburg kennengelernt, und Jutta wurde eine gute Freundin von Uta; sie wurde sogar eine Art geistige Mentorin für Uta, die von ihr immer guten Rat und Orientierung auf der spirituellen Weg erhalten hat. Nach unserem Umzug nach Chiguará 1997 ist der Briefkontakt zwischen den Beiden bis zum Ende nie abgeklungen. Und ich durfte sie danach noch zweimal besuchen: 2007 fuhr ich zu ihrem Haus im Allgäu, und 2012 habe ich sie (ein letztes Mal) in ihrer Villa in Hamburg besucht. In einem kommenden Eintrag möchte ich ausführlicher auf das Thema Jutta Ginsberg eingehen.
Aber nun zum Brief:
26.Mai 2002
Liebe Jutta,
ganz lieben Dank für Deinen Anruf, wie sehr habe ich mich darüber gefreut. Leider mußte ich meinen Rückruf abbrechen, weil die vorbezahlte Karte zu Ende ging. Unser Telefon läuft über Normalstrom (ohne Strom läuft nichts) und über PrePagoCards (Vorauszahlungskarten). Den Verbrauch kann man dann immer per Tastendruck abfragen. Die Karten gibt es überall in Mérida und sie werden in den Apparat eingespeichert, über einen Nummerncode.
Was mich so bewegt hat, ist, daß Du in Deinem Katholischen Ländle ähnliche Probleme hast, wie wir hier. Wir leben hier wirklich in einem Paradies, wenn man uns ließe. Im Garten wachsen Orchideen, wilde Strelietzien, (weiß nicht, wie man das schreibt) Bananen, Kaffee, Kakao, Aprikosen, Grapefruit, Mandarinen, Orangen, Avocados, Guanábanas, Guaven, der Hibiskus in Rosa, Rot, Orange, Gelb, gefüllt + ungefüllt, ist über 3m hoch. Die Beaugainvilla wuchert in orange, weiß, fuchsia. Das Haus ist neu gestrichen und das Dach wird im August abgedichtet. Eigentlich ist alles wunderschön geworden und trotzdem zieht es uns fort von hier. Die Belästigungen von außen erreichen uns überall im Haus. Da verbrennt der Nachbar zur Frühstückszeit sein Laub und der Schmauch zieht in alle Räume incl. Praxis. Dann liegt man in der Hängematte und die Kirche donnert ihre Böller in die Luft und man meint, man sei in Afghanistan, dann schallt die elektronische Musikanlage dieses Idioten und man hört sich 18 Strophen eines Kirchenliedes an. Und wenn die mit ihren Belästigungen durch sind, dann ist irgendwo ein Fest, mit Disco und so laut, daß man den eigenen Fernseher nicht mehr hört. Der Hunger nach Musik ist hier unbeschreiblich und trotz “Gesetzgebung” kann man nicht ändern. Auch andere Anwohner sind sauer. Jede Samstagnacht schallen die Lautsprecher. Die Polizei kann “angeblich” nichts machen, sie hat Angst, denn die Beschallung kommt von der reichen Mafia und die haben alle Rechte, zumal die politische Lage etwas brenzlig ist.
Die Transporte mit dem “Stoff, aus dem die Träume sind”, rollen jede Nacht. An unserem Haus geht die Umgehungsstraße vorbei. Das einst so stille Dorf ist aufgeblüht, auch durch dieses Geschäft und nur das Geld zählt. Geld, das wissen wir heute, ist eine der größten Energien dieser Erde. Um diese Energie willen geschehen Kriege und Morde. So ist unser einst so stilles Dorf nicht wiederzuerkennen. Wenn man bedenkt, wie wenig die Leute arbeiten und was sie sich leisten, dann ist der Weg des “Geldverdienens” klar und manchmal wird auch darüber gesprochen. Zumindest weiß jeder hier, was abläuft. Der Polizeipräfekt, den ich auch auf den nächtlichen Lärm ansprach, meinte, er habe Familie. Ja und deshalb laufen hier nachts die Feten? Der Präfekt meinte: wir sind ein junges Dorf und müssen dem Rechnung tragen. Klar, ihren Stoff müssen sie nachts unter die Kinder verteilen. So einfach ist das. Alles in allem Korrupte.
Wir haben uns daraufhin ernsthaft gefragt, wie es ‘danach’ weitergehen soll und wir haben uns für die Welle entschieden. Wir mögen nichts aufbauen mit Menschen, denen die Kirche das Wort “Verantwortung” ausgetrieben hat. Du hast Recht, das hier ist ein Volk von Energiesaugern, in welcher Form auch immer.
Wir machen abends nur noch eine kurze Runde mit unseren Hunden, immer die gleiche. Erstens ist diese Route relativ frei von Autos und auch von Zecken. Die stechenden und beißenden Insekten haben, wie der Lärm, stark zugenommen. WIr vermuten oft einen bakteriellen Krieg. Scheinbar ist man auf diesem Kontinent interessiert, für die Zeit danach, und deshalb wird es gesäubert, mit Aids, Fehlgeburten durch das Tragen von Handys im Bereich der Hüfte, Dengue. Unser Freund Alberto bringt da auch viel in Zusammenhang, er sieht viel in seiner Klinik. Er hat bereits seine Kontakte nach Kuba geknüpft und wartet auf ein Angebot. Die spirituellen Menschen wollen nicht mehr die Kastanien aus dem Feuer holen für die “Sauger”. Die erste Zeit danach wird hier so schwer werden und mit den gleichen Urteilen und Vorurteilen verbunden sein wie bisher. Oder glaubst Du, daß sich die Katholen in Deinem Dorf ändern werden? Glaubst Du, daß sie menschlicher oder liebevoller sein werden? Ich glaube, der Mensch ist viel zu gierig. In Deutschland werden die Bauern nehmen - Dein Gold + Gut -, wie im 2. Welt-Krieg und hier sind die Menschen nicht anders. Es gibt nur ganz wenig liebevolle Menschen mit edler Gesinnung. So sagen wir uns, daß wir das Leben am Meer genießen möchten, mit unseren Tierchen, bis zu dem Augenblick, wenn’s vorbei sein soll. Wir wollen unser Haus für € 150.000 verkaufen. Es wäre gut bewohnbar für 3 Familien mit Kindern, denn es hat 9 Zimmer und 3 Bäder. Für Überlebenswillige in Europa also ein Schnäppchen. Nach dem Urlaub im Juni geht das Angebot in das Internet.
So, liebe Jutta, jetzt habe ich mir alles vom Herzen geschrieben. Ich habe Dich sehr lieb und ich bin zuversichtlich und habe keine Angst.
Grüß Karol von Herzen, sei gegrüßt von Sérvulo und laß Dich in Gedanken knuddeln von
Deiner Uta
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