Hallo Zusammen,
nach einer langen, langen Schreibpause melde ich mich wieder.
Nur noch eine Bemerkung am Rande: nachdem ich fast sieben Wochen lang mit einer schweren Grippe zu kämpfen hatte, habe ich mich letzte Woche auf Covid-19 testen lassen. Das Ergebnis: negativ. Eine große Erleichterung für mich. Nun heisst es, die medikamentöse Behandlung fortzusetzen. Und so langsam geht es mir besser.
Was ich hier im Blog eintrage, hat Uta auf einem Büchlein niedergeschrieben, das ich selber 1996 im Rahmen eines Buchbindekurses der VHS (Volkshochschule) Pinneberg gebunden hatte. Ich habe es ihr später geschenkt, und dort hat sie ein Paar Auszüge für das Venezuela-Buch eingetragen, das unvollendet geblieben ist. Ein Paar von ihnen habe ich bereits hier herausgegeben, nämlich "Das Banksystem" und "Geschenke...". Alle Einträge hatte sie sorgfältig mit dem Kugelschreiber im Büchlein niedergeschrieben - beim letzten aber hat sie hastig fast acht Seiten mit einem Bleistift ausgefüllt. Warum, habe ich sie nicht gefragt. Sehr wahrscheinlich ahnte sie bereits, daß es ihr kaum noch Zeit übrig blieb...
Das Thema: unsere Katzen in Chiguará, ein lebenswichtiger Teil unseres Lebens und so etwas wie unsere kleine Familie, neben den Hunden, insgesamt eine große "Manada", eine Herde, die Uta bis zu ihrem Ableben, und mich bis zu meinem Umzug 2011 begleitet hat. Ein schönes, aber schmerzvolles Kapitel, das ich noch irgendwann erzählen (und abschließen) muß.
Aber nun zum Text:
KATZEN
Als wir hier einzogen, waren wir so vermessen, etwas für die Kinder des Dorfes tun zu wollen. Wir hatten eine Menge Tierfilme aus Deutschland mitgebracht, um sie den Kindern im Dorf zu zeigen. An einem Sonntag versammelte sich dann auch eine kleine Schar in unserem Haus und schaute das Video über die Katzen des Südens, die Katzen in Griechenland. Okay, hätten wir das doch besser gelassen. Alle Kinder meinten nun, wir seien Katzenfans oder gar, wir sammeln Katzen oder ähnliches. Jedenfalls schleppten sie uns kleine Kätzen ins Haus unter dem Motto: "le gustan (los) gatos". Man hatte endlich wohl eine Anlaufstelle entdeckt, seine Kätzchen loszuwerden.
Freundlich gaben wir die Tiere zurück und weigerten uns, Tiere als "Geschenke" anzunehmen.
Und wie die Jungfrau ans Kind, kamen wir auf unsere Katzen und zwar ohne zu bemerken, worauf wir uns eingelassen hatten.
Das begann mit einem nächtlichen Besucher, der unser offenes Wohnzimmer nachts ungefragt benutzte und auch noch etwas aus der Küche mitgehen ließ. Zuerst vermuteten wir alles Mögliche, bis wir eines Tages ein weißes Kätzchen erwischten, das die Küche kontrollierte. Es war unter der Garagentür durchgekrochen, kannte das Haus wohl schon länger, und verschwand sofort mit lauten Poltern, wenn wir uns näherten. Wir begannen, dieses Tierchen mit Leckerbissen zu locken, was nicht ganz einfach war, in einem vegetarischen Haushalt. Das Tierchen war aber Allesfresser und hatte sogar gelernt Avocados zu essen, wenn es nichts anderes gab. Wir tauften das Tierchen "Nasenbär", weil es immer mit hochgehobenem Schwanz durch das Haus tobte. Bald hatte sich das Kätzchen an uns gewöhnt und wir, an es. Und so kam es, wie es wohl kommen sollte.
Nasenbär wuchs uns ans Herz und recht spät schnallten wir, daß wir uns eine schwangere Katze angelacht hatten.
Wir hielten Kriegsrat, was tun und entschlossen uns, Nasenbär samt ihren zukünftigen Kindern Unterschlupf in unserem Haus zu gewähren.
So brachte Nasenbär ihre Kinderchen in einem eigens dafür vorbereiteten Karton zu Welt, es waren 3 Stück, 2 Kätzchen und ein Kater.
Einen Monat (lang) waren die Kinder unberührt in ihrem Karton. Als ich dann das erste Mal hineinschaute, fauchte mich eines der Kätzchen wütend an und erhielt so seinen Namen: Tiger.
Tiger (rechts), Schneewittchen (vorne) und Dorothee (hinten), auch 2005
Auch die anderen Beiden bekamen schnell ihre Namen. Den Kater nannten wir Schneewittchen, weil er ein ganz zartes kleines Herzchen war. Er plärrte immer ganz entsetzt, wenn er vor einer neuen Situation stand und seine Mama ihm nicht gleich hilfreich zur Seite stand. Er wäre in der Natur wohl nicht überlebensfähig gewesen, deshalb hat er sich wohl bei uns reinkarniert. Heute ist er ein Riesentier, aber immer noch mit für uns "Schneewittchenmentalität". Er plärrt, wenn er essen will, er plärrt, wenn er Streicheleinheiten will, er traut nur uns und unserer Hündin Pilly und gibt ihr Köpfchen. Er ist immer auf der Suche nach Streicheleinheiten.
Dann war auch noch ein kleines Katzenmädchen, von der Farbe des Felles Tiger sehr ähnlich. Das ist ein gemütliches Tier, das gern ißt und gern spielt und sehr anhänglich ist.
Dorothee 2007
Das ist unsere kleine Dorothee, sie belästigt mich gerade und will mit meinem Stift spielen oder auf mein Buch. Sie schaut mir in die Augen und trillert regelrecht. Dorothee ist ein richtiges Teufelchen und läßt sich jederzeit neue Clownerien einfallen. Sie ist außerdem, obwohl sie richtig fett ist, eine ausgezeichnete Jägerin. Jeder Schmetterling, jede Kakerlake, jede Eidechse, jeder Gecko werden von ihr gejagt. Weniger super finden wir es dann, wenn uns der Clown Dorothee bei Stromausfall eine Giftschlange ins Haus schleppt, quasi als nettes Geschenk. Die heutige jedenfalls war noch recht schnell und lebhaft und ließ sich nur mit Mühe in den Garten befördern.
So brauche ich wohl nicht besonders erwähnen, daß die Katzen nachts ausgesperrt bleiben. Sie leben dann auf dem Dachgarten, dort besetzen sie Couch und Sessel. Wir haben nämlich wenig Sinn für so tolle Geschenke wie: Giftschlange im Bett oder im Wohnzimmer. Katzen haben da halt eine andere Sicht und so trennt sich unser Leben von ihnen, wenn es Nacht wird, in Chiguará.
Wir haben einen sehr guten Veterinär gefunden, der all unsere Tiere sterilisiert hat. So leben unsere Mietzen im 5 Jahr bei uns und belästigen alles Kleingetier, das sich zu bewegen wagt.
Nasenbär hat ihre Kinder prächtig trainiert, sie fangen alles Ungeziefer in Haus und Garten.
Das einzige Problem sind diese liebevollen Geschenke, die wir nicht so schätzen.
So heißt morgens immer die Devise: Augen auf! Denn es ist peinlich, sich auf einen Stuhl zu setzen, um den Morgenkaffee zu genießen, - um dessen Stuhlbein sich ne Giftschlange ringelt.



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