Hallo, zusammen,
folgender Artikel der Journalistin und Schriftstellerin Rosa Montero ist um die gleiche Zeit wie der von Irene Vallejo und in der gleichen Zeitung erschienen; und er befasst sich auch (auf etwas anderer Weise) mit dem Thema der menschlichen Pflege, und mit dem Guten im Menschen, sogar in Zeiten von Anspannung und Kriegen.
Wie gewöhnlich soll es hier klargestellt werden, dass sämtliche Rechte des Artikels bei der Autorin liegen, und bei der Zeitung, die es veröffentlicht hat. Diese Übersetzung ist für mich eine Übung und dient der Verfeinerung meiner Fähigkeiten als Übersetzer.
Und nun zum Artikel:
ETWAS BEINAHE FADES
"Kein Versprechen des Lichts kann glaubhaft und heilsam sein, wenn man die Existenz des Schattens nicht anerkennt".
Von Rosa Montero
Rosa Montero, um 2023. (Quelle: rtve.es)
Mitten in diesem trockenen, felsigen Tal, das diese Wanderung durch die ersten Januarwochen zu sein scheint (die wohlbekannte Januarsteigung) mit dem körperlichen, finanziellen und emotionalen Kater der Weihnachtsfeier und der langen, nebeligen Ausdehnung des Jahres vor uns mit Drohungen der Anspannung und der Kriege, habe ich über ein tröstendes, nettes Thema nachgedacht, um darüber einen Artikel zu schreiben. Einen Text, der lichtvoll genug wäre und uns umarmen würde, verfasst mit diesem weichen, faden Teil, von dem ich weiß, dass ich ihn habe (und welchen ich im allgemeinen fest im Zaun zu halten weiß).
So erlauben Sie mir bitte, eine Geschichte zu erzählen, die ich vor drei Wochen in einem entzückenden Artikel gelesen habe. Er wurde von Olaya Suárez in El Comercio veröffentlicht (Danke, César Alonso, dafür, dass Sie ihn mir geschickt haben) und darin wird über die Leiche eines Unbekannten erzählt, die im Januar 2015 von Trekkern in 1400 Metern Höhe in den Bergen von Somiedo in Asturien gefunden wurde. Er war um die 50 Jahre alt, 30 Kilo schwer, kaum 1,30 m groß, mit schweren Verformungen im Skelett, ohne Zweifel geistig zurückgeblieben und erblindet. Er konnte weder laufen noch sehen, und sicherlich konnte er auch nicht sprechen. Zusammenfassend war er ein sonderbares Wesen, aber in der Gegend wußte niemand von seiner Existenz. Wie es in ähnlichen Fällen im Gebirge der Fall war, wird seine Familie ihn wohl sein ganzes Leben lang versteckt gehalten haben. Es gab Gelegenheiten, in denen diese Verheimlichung grausam war; Personen mit schweren Behinderungen, Jahrzehntelang gefesselt in einem Stall. Aber unser Unbekannte hatte es geschafft, bis zum 50. Lebensjahr zu leben, auch wenn seine ganzen Pathologien ihn viel früher hätten umbringen müssen. Er wurde perfekt gepflegt, war gut genährt, gut rasiert, mit einer sauber gearbeiteten Frisur, die Fingernägel sauber zurechtgemacht, weder eine einzige Narbe noch eine Abschürfung oder blaue Flecken, die ein Hinweis auf körperliche Vernachlässigung oder Mißhandlung gewesen wären. Er wurde verhätschelt. In der Klausur vom häuslichen Geheimnis hatte jemand ein halbes Jahrhundert lang alles für ihn getan. Und als er eines natürlichen Todes starb, hat man ihn in einer Bergroute liegen lassen, damit man ihn findet. Die Guardias Civiles, die sich mit dem Fall beschäftigten, meinten, er wurde dorthin gebracht, um "ihm eine Würde zu geben". Das heißt, damit die Leiche wie es sich gehört bestattet werden konnte. Und so wurde es getan. Der Unbekannte, denn er konnte nach wie vor nicht identifiziert werden, liegt im Friedhof von Arbeyales, in tausend Metern Höhe.
Und nun stelle ich mir die Eltern vor, oder vielleicht eine Mutter, Geschwister, die ein Jahrzehnt nach dem anderen den Kranken gepflegt haben, in diesen harten, schönen Bergen Asturiens. Sie werden wohl sehr arm gewesen sein, um nicht einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen zu haben, ihn medizinisch zu versorgen, seine Existenz zu legalisieren, ihn aus eigenen Mitteln zu bestatten. So viel Mühe investiert und so viele Tränen. Na gut, einverstanden: mich dünkt, aus der anderen Seite das Murren von Euch Lesern zu hören, wie Ihr sagt, das sei eine schreckliche Geschichte, und wie würde es mir einfallen, solch ein Schrecken könnte tröstlich sein. Aber schaut mal, ich werde wohl fade sein, aber nicht blöd, und ich weiß nicht nur, dass es Leiden gibt, sondern ich weiss ebenfalls, dass kein Versprechen des Lichts glaubhaft und heilsam sein kann, wenn man die Existenz des Schattens nicht anerkennt. In dieser so liebevollen, peinlichen Pflege von jemandem, der überhaupt nicht imstande war, für sich selbst zu sorgen, sehe ich das Beste, was wir Menschen sein können.
Erik Trinkhaus, Anthropologieprofessor an der Universität Washington (U.S.A.), hat 2018 eine Studie veröffentlicht, in welcher er Knochenbildungsanomalien verschiedener Spezies der Gattung Homo (es gab sapiens, d.h. uns, aber auch Denisova-Menschen und Neandertaler) seit 200.000 Jahren gesammelt hatte. Er fand 77 Anomalien in 66 Exemplaren, einen sehr hohen Inzidenz-Prozentsatz für das vorhandene Fossilienregister, was wahrscheinlich durch die erhöhte Blutsverwandschaft der Populationen zu erklären sei. Aber das wahrhaft Faszinierende ist, dass viele der Missbildungen mit einem selbständigen Überleben unkompatibel waren, und trotzdem schafften es die meisten der Subjekte bis zum Erwachsenenalter, wobei acht davon sogar im hohen Alter gestorben sind. Und nicht nur das: sie waren genauso gut ernährt wie die Anderen (Quelle: Miguel Ángel Criado, in EL PAÍS). Seit 200.000 Jahren, seit den Höhlen überhaupt, sogar unter den schwierigsten Umständen, Trozt der Armut und der Ignoranz und der mittellosesten aller Existenzen, gab es immer zwischen den Menschenaffen diesen Zug großzügiger Liebe und Pflege. Das genügt mich.

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