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Regalos de corazón - gustibus et coloribus non est disputandur



Hallo zusammen,

Der folgende Text Utas ist auch Teil Ihres geplanten, dann an ihrem Lebensende aufgegebenen Lebensberichts über ihre letzte Heimat, Venezuela.  Ich muß sagen, sie hat ihn in mehreren Briefen an Freundinnen und Verwandten verwendet.

Und nun der Text:





 GESCHENKE, DIE VOM HERZEN KOMMEN – ODER: ÜBER GESCHMACK LÄSST SICH NICHT STREITEN!

Als ich noch ein ganz junges Mädchen war, gerade fertig mit der Schule und tief verliebt in einen Studenten, meinen späteren Ehemann, da unternahmen wir gern Entdeckungsreisen in die Großstädte Europas. Studenten haben ja den Anspruch auf skurrile Ideen und so suchten wir stets nach ganz ausgefallenen und besonders geschmacklosen Geschenken. Diese waren besonders für liebe Mitmenschen gedacht, die wir nicht so besonders leiden konnten und es mußte sich um Geschenke handeln, die der Besucher sichtbar in seiner Wohnung aufzustellen hatte. Da bot sich eine ganz besonders liebenswerte Scheußlichkeit an, die es in Paris an jeder Ecke zu kaufen gab: Der Eiffelturm, wenn möglich mit einem Thermometer geschmückt, am Rande eines Aschenbechers. Wir lachten jedesmal los, wenn wir daran dachten, wie der Beschenkte diese Kostbarkeit in Windeseile aus dem Wohnzimmerschrank holte, wenn wir uns zu Besuch ansagten.

Nun, Jugendsünden holen einen wohl gern mal ein, wenn auch mit etwas Verzögerung. Jedenfalls macht man uns hier in Venezuela ähnlich entzückende Geschenke.

Mein Mann, absolut ein Ricky Martin-Gegner, bekam so ein hübsches Ricky Martin-Armband geschenkt, eine liebevolle Geste, ganz in Schwarz gehalten. (Schwarzer Mann braucht schwarzes Armband?) Mich erfreuen die Menschen mit kleinen Nippes-Figürchen: ein Pärchen auf der Bank oder eine Puppi auf einem Schmuckdöschen, in das gerade mal ein Ring paßt. Ich besitze auch eine Statue, ca. 20 cm, eines jungen Mädchens mit Hut, - ganz in grün. Clever wie ich bin, habe ich diese “süßen” Nettigkeiten auf die Gästezimmer verteilt. Der “Weihnachtsgeist” ging mir ganz schön an den Geldbeutel, denn er mußte genau am 21. Dezember per Fête eingeweiht werden, mit Essen, Getränken und Gebeten. Es hat niemanden gestört, daß wir statt Gebet eine Meditation machten und das chinesische Geschenk “Eine Stunde meines Glücks” anfertigten. Das geht nun soweit, daß sich für dieses Jahr bereits zwischen 40 und 50 Personen zum “Weihnachtsgeist” angemeldet haben. Das letzte Fest war ein voller Erfolg und sprach sich im gesamten Dorf rum.
Nun frag ich mich: Wie war das Geschenk – ein sehr teures übrigens – gemeint? Der Geber feierte nicht mit, er zog von hier weg. Seitdem ist das Fest des Weihnachtsgeistes in unserem Haus Tradition.

Hoffe nur, daß ich nun wieder Püppchen und andere Staubfänger geschenkt bekomme.

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