Hallo zusammen,
der folgende Brief ist einer von vielen, die Uta an ihre Cousine Renate geschrieben hat. Nach Utas Ableben war ich zweimal zu Besuch bei Renate, in ihrer Wohnung in Braunschweig. Sie hat mir ihre Wohnung gezeigt, und eine Hammond-Orgel aus den 70er jahren, die sie sogar kurz eingeschaltet hat (ein Augenblick, den ich mit meiner Handycam festhalten durfte). Zu dem Zeitpunkt waren wir beide verwitwet (ein Paar Jahre davor hatte sie ihren Walter verloren, ihren Ehemann aus zweiter Ehe, der ihr die Welt zu Füßen gelegt hatte), und wir haben uns lange über das Thema unterhalten. Beim Abschied hat sie mir ein einzigartiges Geschenk mit auf den Weg gegeben: In einer Mappe steckten sämtliche Briefe, die Uta ihr von 1997 (der Zeit unseres Umzugs) bis 2006 (kurz vor Utas Erkrankung) geschickt hatte.
Den beiden zu Ehren habe ich mir für die kommende Zeit vorgenommen, all diese Briefe in einem Buch und einem separaten Blog herauszugeben.
Aber nun zum Brief:
24 Okt. 2001
Liebe Rena,
lieben Dank für Deinen Brief vom 7.9.01. Erst heute kann ich mir etwas Zeit abzwacken, um zu schreiben. Nich das Rentnerdasein hält mich vom Schreiben ab, sondern das tägliche Leben. Langsam pfeife ich auf 620qm Wohnfläche (incl. Praxis), denn es gibt pausenlos was zu tun. Da kann man nicht, wie in Europa, mit dem Staubsauger durchgehen. Da muß gewischt, gewachst und poliert werden. Die 3 großen Hunde verlieren viel Haare und die 4 Katzen nicht weniger. Dann schaut mich der Garten an. Wenn man meint durch zu sein, geht's von vorn los. Der stille Kampf gegen den Djungel ist immer gegenwärtig. Das besagt aber auch, daß ich fit bin, wie ein gut eingelaufener Turnschuh, von morgens bis abends auf den Beinen. Auch die Beschaffung einiger Lebensmittel ist zeitaufwendig, wenn man bedenkt, daß wir dazu nach Mérida müssen. Das ist immer ein Abenteuer. Letzte Woche sperrten dann noch meuternde Studenten die Rückfahrtswege von Mérida in unsere Richtung. Ab 2 Uhr warteten wir im völlig überfüllten Busterminal auf die Rückfahrt, die in den Sternen stand. Nichts lief mehr, der Verkehr war total lahmgelegt. Wir fanden ein Nadelöhrchen über einen Bergpaß, per Taxi. Das kostete horrendes Geld, hat sich aber gelohnt. Die Straßensperren wurden erst spät abends, als es schon dunkel war, aufgehoben. Hunderte von Passagieren stürmten die Busse. Ich stelle mir vor, daß es wie in Kriegszeiten in Deutschland war. Was waren wir froh, zeitiger zu Hause zu sein. Es müssen ja auch all unsere Tiere versorgt werden.
Wie wunderbar ist es, zu lesen, daß Du so viel unternimmst. Die Zeit bei Geli war bestimmt sehr schön. Wenn Du so von Hamburg schreibst, dann bekommen wir fast Sehnsucht. Unser Leben ist so total anders. Die Insel Rügen hätte uns auch interessiert. Leider hat das nie geklappt. Wer weiß, ob wir es bei der jetzigen Weltlage jemals schaffen, uns die Insel noch anzuschauen. Hinzu kommt, daß wir hier selten wegkommen, da immer jemand im Haus einhüten muß. Aber so sind die Dinge halt. In Deutschland fehlte uns die Zeit, wegen der Arbeit und Sérvulos Ausbildung. Hier haben wir Zeit und kommen wegen des Anwesens nicht raus. Ich denke mal, daß wir da was verändern müssen. Wegen der Lage auf dem Immobilienmarkt ist aber leider an Verkauf nicht zu denken, höchstens an Ausstieg aus Europa - und die sind schwer zu finden. Ich möchte am Meer wohnen und hoffe, daß sich mein Wunsch erfüllt.
So, Renalein, es wartet schon wieder Arbeit auf mich. Ich weiß nicht, ob ich in diesem Jahr dazu komme, nochmals zu schreiben. Vorsichtshalber wünsche ich Dir bereits jetzt ein frohes Weihnachtsfest und nen guten Rutsch in ein friedliches Jahr 2002. Grüß alle Lieben herzlich von uns. Wir verfolgen die Ereignisse in der Welt in allen Fernsehsendern Südamerikas, Mexikos sowie der Deutschen Welle. Die Angriffe auf die beiden Türme sahen wir fast zeitgleich in allen Fersehsendern hier. Trotz allem wünschen wir von Herzen, daß der Weltfrieden erhalten bleibt. - Ansonsten: hier, in Sicherheit, ist immer ein Plätzchen frei. Wollen wir hoffen, daß es nicht so weit kommt.
Laß Dich umarmen von
Deiner Uta
der folgende Brief ist einer von vielen, die Uta an ihre Cousine Renate geschrieben hat. Nach Utas Ableben war ich zweimal zu Besuch bei Renate, in ihrer Wohnung in Braunschweig. Sie hat mir ihre Wohnung gezeigt, und eine Hammond-Orgel aus den 70er jahren, die sie sogar kurz eingeschaltet hat (ein Augenblick, den ich mit meiner Handycam festhalten durfte). Zu dem Zeitpunkt waren wir beide verwitwet (ein Paar Jahre davor hatte sie ihren Walter verloren, ihren Ehemann aus zweiter Ehe, der ihr die Welt zu Füßen gelegt hatte), und wir haben uns lange über das Thema unterhalten. Beim Abschied hat sie mir ein einzigartiges Geschenk mit auf den Weg gegeben: In einer Mappe steckten sämtliche Briefe, die Uta ihr von 1997 (der Zeit unseres Umzugs) bis 2006 (kurz vor Utas Erkrankung) geschickt hatte.
Den beiden zu Ehren habe ich mir für die kommende Zeit vorgenommen, all diese Briefe in einem Buch und einem separaten Blog herauszugeben.
Aber nun zum Brief:
24 Okt. 2001
Liebe Rena,
lieben Dank für Deinen Brief vom 7.9.01. Erst heute kann ich mir etwas Zeit abzwacken, um zu schreiben. Nich das Rentnerdasein hält mich vom Schreiben ab, sondern das tägliche Leben. Langsam pfeife ich auf 620qm Wohnfläche (incl. Praxis), denn es gibt pausenlos was zu tun. Da kann man nicht, wie in Europa, mit dem Staubsauger durchgehen. Da muß gewischt, gewachst und poliert werden. Die 3 großen Hunde verlieren viel Haare und die 4 Katzen nicht weniger. Dann schaut mich der Garten an. Wenn man meint durch zu sein, geht's von vorn los. Der stille Kampf gegen den Djungel ist immer gegenwärtig. Das besagt aber auch, daß ich fit bin, wie ein gut eingelaufener Turnschuh, von morgens bis abends auf den Beinen. Auch die Beschaffung einiger Lebensmittel ist zeitaufwendig, wenn man bedenkt, daß wir dazu nach Mérida müssen. Das ist immer ein Abenteuer. Letzte Woche sperrten dann noch meuternde Studenten die Rückfahrtswege von Mérida in unsere Richtung. Ab 2 Uhr warteten wir im völlig überfüllten Busterminal auf die Rückfahrt, die in den Sternen stand. Nichts lief mehr, der Verkehr war total lahmgelegt. Wir fanden ein Nadelöhrchen über einen Bergpaß, per Taxi. Das kostete horrendes Geld, hat sich aber gelohnt. Die Straßensperren wurden erst spät abends, als es schon dunkel war, aufgehoben. Hunderte von Passagieren stürmten die Busse. Ich stelle mir vor, daß es wie in Kriegszeiten in Deutschland war. Was waren wir froh, zeitiger zu Hause zu sein. Es müssen ja auch all unsere Tiere versorgt werden.
Wie wunderbar ist es, zu lesen, daß Du so viel unternimmst. Die Zeit bei Geli war bestimmt sehr schön. Wenn Du so von Hamburg schreibst, dann bekommen wir fast Sehnsucht. Unser Leben ist so total anders. Die Insel Rügen hätte uns auch interessiert. Leider hat das nie geklappt. Wer weiß, ob wir es bei der jetzigen Weltlage jemals schaffen, uns die Insel noch anzuschauen. Hinzu kommt, daß wir hier selten wegkommen, da immer jemand im Haus einhüten muß. Aber so sind die Dinge halt. In Deutschland fehlte uns die Zeit, wegen der Arbeit und Sérvulos Ausbildung. Hier haben wir Zeit und kommen wegen des Anwesens nicht raus. Ich denke mal, daß wir da was verändern müssen. Wegen der Lage auf dem Immobilienmarkt ist aber leider an Verkauf nicht zu denken, höchstens an Ausstieg aus Europa - und die sind schwer zu finden. Ich möchte am Meer wohnen und hoffe, daß sich mein Wunsch erfüllt.
So, Renalein, es wartet schon wieder Arbeit auf mich. Ich weiß nicht, ob ich in diesem Jahr dazu komme, nochmals zu schreiben. Vorsichtshalber wünsche ich Dir bereits jetzt ein frohes Weihnachtsfest und nen guten Rutsch in ein friedliches Jahr 2002. Grüß alle Lieben herzlich von uns. Wir verfolgen die Ereignisse in der Welt in allen Fernsehsendern Südamerikas, Mexikos sowie der Deutschen Welle. Die Angriffe auf die beiden Türme sahen wir fast zeitgleich in allen Fersehsendern hier. Trotz allem wünschen wir von Herzen, daß der Weltfrieden erhalten bleibt. - Ansonsten: hier, in Sicherheit, ist immer ein Plätzchen frei. Wollen wir hoffen, daß es nicht so weit kommt.
Laß Dich umarmen von
Deiner Uta
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