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Ein Brief nach Uta

Hallo zusammen,

nun folgt ein Brief von mir, geschrieben ein Monat nach Utas Ableben, an K., Arbeitskollegin und liebe Freundin von ihr.  Eine schlichte Beschreibung und ein Paar Impressionen über den Anfang meines Lebens ohne sie.




Liebe K., lieber G.,


lieben Dank für Eure E-Mail.  Die entdecke ich erst heute in Mérida, wo ich vergeblich versuchte, einen Scheck einzulösen, die mir eine Patientin als Bezahlung gegeben hat (eigentlich haben wir grundsätzlich nie Schecks angenommen, doch es kommt machmal so vor). 
Mir ging es sehr gut in Caracas.  Ganze fünf Tage hat das Beglaubigen von Utas Sterbeurkunde gebraucht, zuletzt stand am vergangenem Freitag der Termin bei der Botschaft an - Die Beamtin war sehr nett und zuvorkommend (tatsächlich bekam ich den Termin am Freitag, wo sie sonst an dem Tag geschlossen sind), und so konnte ich die Papiere für den Rentenservice dort direkt lassen, und gleich um die Ecke die für die Bank über FedEx nach Meerbusch verschicken, wo sie heute morgen eingetroffen sind, d.h. ich muß fürs Erste nicht mehr hin, obwohl sehr wahrscheinlich eine (vom Notar ausgestellte, übersetzte und beglaubigte) eidestattliche Erklärung nachgereicht werden muß, so genau weiß ich nicht, was der Rentenservice oder das Finanzamt noch so von mir haben wollen. Aber ich halte Euch auf dem Laufenden.
Ich persönlich, da durch die Ferienzeit hier keine Buskarten bis Sonntagabend (!) zu kriegen waren, mußte nach Mérida an diesem Freitag zurückfliegen - und so bekam ich am Wochenende etwas von meinen Geldausgaben in der Großstadt durch ein Paar Patienten zurück (bis auf dem vorhin erwähnten Scheck).  Glücklicherweise ist Virginia eine sehr kompetente, gewissenhafte Assistenz für mich, die in weniger als drei Wochen alles begriffen hat, was Uta und ich in den fast 10 Jahren Praxisbetrieb entwickelt und ausgereift haben, und so konnte ich mich mit der Praxis weiterbeschäftigen, um nicht allzuoft Utas Abwesenheit spüren zu müssen. Virginia, meine neue Assistentin, eine kleine, zierliche Person mit vielen Stärken, ist 30 Jahre alt, gelernte Krankenschwester und Reiki-Kanal (sie hat den 1.Grad-Kurs 2001 mit uns gemacht), sie fing gerade an, mich zu assistieren, als Uta ihren schlimmsten Rückfall bekam, in der Nacht vom 15. zum 16. Juli.  Sie begleitete uns im Krankenwagen und war der Engel, der uns durch diesen Dschungel vom Uni-KHS half, da sie dort arbeitet.  Uta hatte sie ins Herz geschlossen, und ich freue mich über unsere Zusammenarbeit, da sie für uns beide wie eine Tochter ist.  Dennoch - an Tagen wie gestern und heute (gestern war bereits ein Monat vergangen, seit Utas Abschied, und heute vor genau 10 Jahren bekam ich meine Heilpraktikerurkunde) spüre ich Utas körperliche Abwesenheit, und sie fehlt mir sehr.  Es war einfach zu viel Glück, das auf einmal vorbei ist.  Deshalb verstehe ich Dich, liebe K., wenn Du sie immer in Erinnerung hast.  Ich kann Dir dazu nur folgendes sagen:  Sie ist jetzt ein Engelchen, der uns alle beschützt, und immer wenn wir an sie mit der Liebe des Herzens denken, wird sie bei uns sein.  Du wirst sie spüren, und sie wird sich irgendwie mitteilen!
Eine kleine Familie habe ich jetzt bekommen, und es handelt sich nicht unbedingt um meine Mutter und Geschwister:  Señora Olga, Señor Nassib und ihr Sohn Nadschi sind für mich eine neue Familie geworden. Olga war bereits zu einer Art Schwester von Uta geworden, und sie trägt in Ehren einige Kleidungsstücke und Schuhe, die Uta in ihren letzten Tagen getragen hatte.  Und Caracas war eine kleine, willkommene Abwechslung.  Also macht Ihr Euch keine Sorgen um mich:  mein Leben bleibt -egal was kommt- geregelt und vor allem Sorgenfrei.  Und Eure Idee von Hausverkauf und Praxis anderswo habe ich mir schon überlegt, muß sie aber erst ausreifen und zunächst mein Leben neudenken.  Aber ich halte Euch auf jedem Fall auf dem Laufenden.


Okay, mehr demnächst.  Alles, alles Liebe und seid geknuddelt von Eurem


Sérvulo.


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