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Wir und die Tiere, die uns nicht gehören - 2 -

Hallo zusammen,

nun werde ich die Fortsetzung von Utas Erzählung hochladen.

Fortsetzung folgt.

 
An der Reception des Campingplatzes waren wir wie alte Freunde begrüßt worden, wir hatten das Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Jörn kam bei Einbruch der Dunkelheit glücklich und kaputt vom Wasser. Der erste Test des Surfmaterials war ohne Bruch von statten gegangen.

An diesem Abend wurde nicht selbst gekocht, - Pflichtübung: „Villa Nueva“. Das ist eine andalusisches Speiserestaurant, in dem noch am wenigsten Touristen essen, sondern hauptsächlich einheimische Familien und Ausflügler. Das Lokal ist furchtbar ungemütlich, denn es ist durch viele Neonlichtröhren so hell erleuchtet wie eine Bahnhofshalle. Unsere blassen Gesichter wirkten dadurch natürlich noch grünlicher.

Dafür hat das kleine Restaurant aber eine Küche, toll. An diesem Abend haben wir uns richtig verwöhnt, mit Almechas in Knoblauchsauce, Urta in Cognac, Fresas con nata und hinterher einen Kaffee mit einem Carlos I. Da meine Spanischkentnisse noch fast Null sind, hoffe ich, daß mein wahrscheinlich etwas erfahrener Leser weiß, um welche Speisen es sich oben handelt. Almechas sind die hübschen kleinen Muschelchen, die wir schon als Kinder gern an jedem Strand gesucht haben. Urta ist ein Fisch, und ich liebe ihn besonders, weil er anscheinend keine Gräten hat. Ja, und Fresas, das sind die köstlichsten frischen Erdbeeren mit Sahne, die man sich vorstellen kann.
Wir genossen den Abend, denn wir wußten, daß es nicht viele dieser Abende geben würde. Für unseren Urta hatten wir in Zukunft die Harpune bei und das Rezept würden wir schon irgendwie heraustüfteln.

Die Sterne leuchteten wie immer ganz anders hier unten, als wir das Lokal verließen und Pepe der Kellner uns noch mitteilte, wann die nächsten wichtigen Fußballspiele im Radio übertragen würden. Er ist nämlich Fußballfan und hängt auch beim Servieren immer mit einem Ohr an einem kleinen Kofferradio. Nur hier sieht man das nicht so eng. Schön, wieder hier zu sein.

Am nächsten Morgen waren wir ½ 8 Uhr aus den Federn. Der Arbeitstrott von zu Hause steckte noch in den Knochen. Jörn holte die ersten frischen Paninis, kleine Weißbrote, und ich machte mich für das Frühstück schön.

Dann saßen wir beide vor unserem Wohnwagen, schauten auf‘s Meer und in die Runde und guckten unseren Stehplatz für die nächsten 2 Monate aus. Wir hatten zwar schon einen ins Auge gefaßt, dieser war aber zur Zeit noch von einem Zelt belegt. Zu unserer Freude begann man dort aber mit dem Packen. Wir hatten mal wieder Glück. Unser Platz auf dem Plateau mit Sicht bis rüber nach Afrika oder Las Dunas wurde frei.

Nach dem Frühstück zogen wir um, mit der Schlafecke in die Pinien und mit der Sitzecke Sicht auf‘s Meer und unser Plateau.

Die „Düse“ entführte Jörn auf‘s Meer und ich hatte Ruhe, das Geschirr zu spülen, richtig aufzuräumen und den ersten Rundgang auf dem Campingplatz zu machen.
Zwei niedliche kleine Katzen fielen mir auf, die Eine grau mit einem weißen Lätzchen auf der Brust und einem richtigen Augenmakeup, so in der Art, wie sich Cleopatra einst in Ägypten anzumalen pflegte. Das andere Kätzchen hatte die gleiche hübsche Augenzeichnung und auch ein weißes Lätzchen, nur das Fell hatte eine rötlich-braune Farbe. Die Beiden spielten in der Sonne und ich genoß den Frieden. Ich hatte das Gefühl: „hier ist die Welt noch in Ordnung.“

Lange hielt dieses Gefühl allerdings nicht an. Für den nächsten Tag war eine Fahrt zum Flughafen nach Malaga geplant. Dort wollten wir einen Freund von Jörn abholen und gleichzeitig noch ein Paar Dinge, wie z.B. frisches Obst, einkaufen.
Wir hatten gerade gefrühstückt, und ich spülte das Geschirr am Waschplatz. Da kamen die beiden Schäferhündinnen Trifa und Mutril des Campingplatzbesitzers vorbei. Trifa trug stolz in der erhobenen Schnauze das kleine grau-weiße Kätzchen. Ich schrie nach Jörn. Da ich die Hunde noch nicht kennengelernt hatte, war meine Angst, ihnen die Beute abzujagen, zu groß. Jörn jedoch zog seinen einen Holzschuh aus, brüllte und warf den Holzschuh nach der Hündin. Diese ließ vor Schreck die kleine Katze in den Sand fallen. Ich stürtzte hin und sah ein kleines verschmutztes und mit Blut beschmiertes Wesen, das sich nich mehr rührte.
Jörn hob das kleine Kätzchen vorsichtig auf, legte es auf einen Campingstuhl und schickte mich fort um Wasser und einen Schwamm zu holen. Dann reinigte er den kleinen Körper und befühlte die
Beinchen und den Körper und meinte: „es scheint nichts gebrochen zu sein, sie hat wohl einen Schock. So wie die Hündin sie trug, sah es mir aus, als sei sie in der Babystarre.“
Jörn hatte mal wieder Recht. Das Kätzchen bewegte sich, versuchte sich aufzurichten und fing laut an zu schreien. Ich holte unsere Camping-Kinderbadewanne und polsterte diese mit Lappen und einem alten Handtuch aus. Wir setzten die Kleine hinein und stellten ein Schüsselchen Milch dazu. Die Kleine schleckte sofort die ersten Tropfen.

Was machen wir nun mit dem Kätzchen. Wir mußten los, mach Malaga zum Flughafen. Jörn entschied: „sie bleibt im Wohnwagen, sonst ist sie mit ihrem Schock vor den Hunden nicht sicher.“
Mir war gar nicht wohl bei diesem Gedanken. - Der Wohnwagen hatte gerade einen neuen Teppichboden bekommen, die Betten waren frisch bezogen und dann sollte so ein kleines Tierchen allein im Wohnwagen bleiben?
Jörn machte mir klar, daß es die einzige Chance des kleinen Wesens war, um vielleicht zu überleben. Er füllte ein Kästchen mit Sand, dann stelle er alles die Wanne mit Kätzchen und Milch und das Sandkästchen in den Wohnwagen, verschloß die Tür, und wir fuhren nach Malaga, - ich mit ganz besonders gemischten Gefühlen.
Auf unsere Einkäufe konnte ich mich nur schlecht konzentrieren und das Warten auf das Flugzeug dauerte und dauerte. Der erwartete Passagier war nicht dabei, er hatte die Maschine in Deutschland verpaßt.
So ging‘s denn heimwärts. Unterwegs kaufte Jörn im Supermarkt noch Schweineherz. Ich hatte jedenfalls nur einen Gedanken: „was machen wir, wenn die Kleine tot bei uns im Wohnwagen womöglich im Bett liegt?“ Jörn hatte dazu nur den trockenen Satz parat: „Dann nehmen wir den Spaten.“ Mir wurde immer komischer.

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