Hallo zusammen,
hier noch ein Ausschnitt aus Utas Erzählung "Wir und die Tiere, die uns nicht gehören".
Fortsetzung folgt.
Wir holten Laura bei Manon ab und mußten schon beim Einladen der Katze ins Wohnmobil aufpassen, daß sie nicht entwischte. Die Fahrt zu uns war schlimm. Laura schrie ununterbrochen und krallte sich in die Autositze oder in uns. Die 1 1/2 Stunden Fahrt wurden zur Ewigkeit. Wir waren froh, als wir Oberbergheim endlich erreicht hatten.
Es war schon längst dunkel und Laura zog an Ihrer Leine der Haustür entgegen. Wieder festen Boden unter den 4 Füßen, da war auch ihr Geschrei verstummt. Wir öffneten die Tür und Laura zog uns förmlich in die Wohnung.
Das Veloursgeschirrchen, das Laura während der Fahrt getragen hatte, wurde abgenommen und sie behielt nur ihr rotes Halsband um, denn daran wollte ich sie später von den anderen schwarzen Katzen und Katern in Oberbergheim unterscheiden können. Außerdem hatte ich Angst, daß mein Urlaubsgast vielleicht weggefangen werden könnte. Mit dem roten Halsband war sie überall als private Hauskatze zu erkennen.
Laura begann sofort, die Wohnung zu erforschen. Jeder Winkel wurde begutachtet, einschließlich des Badezimmers. Ich hatte ihr Katzenklo mit dem entsprechenden Streu gefüllt und in die Diele gestellt. Ich zeigte es ihr und Laura stieg auch sofort hinein und machte einen Bach.
- Das klappte also in der neuen Umgebung auch. -
Dann strich Laura ins Wohnzimmer, suchte sich den besten Platz auf der Couch und schlief erst mal.
Die Nacht verlief ruhig und früh am Morgen streifte ein schnurrendes schwarzes Tier über unsere Gesichter. Laura hatte ausgeschlafen.
Während ich im Bad meine Wasserspiele trieb, saß Laura auf dem Klodeckel und schaute zu. Sie ignorierte mich nicht mehr, wie bei unserem Kennenlernen, vielleicht spürte sie, daß ich in der Zwischenzeit mein Katzenabitur gemacht hatte.
An ihrem Frühstück war Laura überhaupt nicht interessiert. Sie schmuste mit mir, warf sich auf dem Teppich und mußte auf dem Bauch und dem Rücken gekrault werden. Hörte ich auf, hatte sie wohl Langeweile und lief hinter mir her und sagte pausenlos: «Mau, mau, mau!»
Dann sprang sie auf das Fensterbrett und schaute hinaus. Die Schwalben flogen bei Mutter Becker”s Deele ein und aus und Laura verfolgte ihren Flug ganz genau, - Kopf hin, Kopf her. Dann balancierte sie das Fensterbrett entlang und begann, meinen Papyros anzuknabbern.
Nun aber Schluß, ich schickte sie nach draußen auf die Wiese, um dort ein bißchen das Gras zu mähen, mein Papyros war mir dazu wirklich zu schade.
Ich öffnete also das Fenster in der Küche, denn es liegt nur ca. 1 1/2 Meter über dem Erdboden. Dort hob ich Laura auf das Fensterbrett und ließ ihr die frische Morgenluft um die Nase wehen.
Ein bißchen Angst hatte ich schon, bei dem Experiment, Laura nach draußen zu schicken. Würde Laura sich auch nicht verlaufen?
Sie setzte zuerst eine, dann die andere Pfote auf die äußere Fensterbank, schob den Rest des Körpers geschmeidig nach und setzte sich erst mal. Von oben betrachtete sie die Landschaft. Dann sah sie Vögel hin- und herfliegen und sprang hinab in den Garten. Dort veranlasste sie die Vögel erst einmal zur Flucht.
Laura fand das alles unheimlich aufregend. Sie beobachtete jedes Rascheln im Gras und kaute an den Grashalmen, diese schienen noch besser zu schmecken, als mein Papyros. Der kleine schwarze Zimmertiger genoß die Freiheit und die Sonne.
Ich wandte mich meinen häuslichen Arbeiten zu und hoffte nur, daß Laura nicht zu weit fortstromerte.
Als ich nach ca. einer halben Stunde nach ihr schaute, saß sie immernoch draußen auf der Wiese und beobachtete äußerst aufmerksam das Gras.
Im Aschenbecher auf dem Fensterbrett lag eine kleine tote Maus, fein in den weißen Alabaster-Ascher drapiert. - OH -
Die Maus wanderte in den Mülleimer, mit dem Stoßgebet: «Mäuse, da draußen, verdrückt Euch».
Weiter mit dem Staubwischen und Bettenmachen.
Beim neuerlichen Betreten der Küche liegt etwas kleines auf dem Teppich, - schon wieder eine tote Maus. Wann hat Laura denn die schon wieder nach drinnen gebracht? - Das kann ja heiter werden. Schließlich wohnt im Zimmer in der oberen Etage völlig frei unser Winzi, unser Streifenhörnchen.
Ich bekam Winzi, als er ein halbes Jahr alt war und konnte ihn leider nicht sehr lange bei mir in der Wohnung behalten, da meine Wohnverhältnisse nicht mit seinem Freiheitsdrang zu koordinieren waren. Das Leben nur in einem wenn auch recht großen Käfig war für ihn so schlimm, daß er Meister wurde im Öffnen von Käfigtüren und Knacken von Käfiggittern. so lebte er über ein Jahr bei meiner Schwester und ihrer Familie und konnte sich dort frei bewegen. Erst in Oberbergheim konnte ich ihm ein kleines Reich für sich bieten.
Bei meiner Schwester war Winzi erwachsen geworden und hatte sich zu einem ziemlichen Raudi entwickelt. Das hört sich vielleicht etwas vermessen für ein Hörnchen an. Doch Winzi hatte es geschafft, der ganzen Familie einschl. Hund Sir Henry das Fürchten zu lehren.
Beim Fressen liebte er die absolute Abwechslung, Erdnüsschen, Haselnüsschen, Walnüsschen und Paranüsse, diese allerdings aufgeknackt, sowie Äpfelchen sowie jedes Stein und Beerenobst, Körner, Mörchen, Blumenkohl, Salat, Gras, Klee, Schokolade und Plätzchen (er pflegte Plätzchen zu stehlen, wo es nur ging), sowie Früchtejoghurt, diesen allerdings nur von der besten Sorte.
Selbst eine 10 kg-Tüte mit Pferdeleckerli, die nun wirklich nicht für ihn gedacht war, nagte er eines Nachts an und versteckte mindestens die Hälfte davon im ganzen Zimmer. Meine kleine Nichte konnte später keine Socken anziehen, ohne erst mal die Pferdeleckerli entfernen zu müssen. Selbst in die Blumentöpfe hatte er sie eingegraben.
Zur täglichen Fütterung machte meine Schwester immer einen Teller fertig mit vielen verschiedenen Leckereien zur Auswahl. Winzi sprang dann von der Gardinenstange oder vom Schrank aus direkt auf sie, und begann, die Leckereien zu transportieren. Nester legte er übrigens überall an, im Bettkasten, in Schubladen, selbst in einem ausgefressenen Teddy.
Im Herbst kam er in die Brunft (oder wie man das bei einem Hörnchen nennt) und wurde plötzlich böse. Früher hatte er sich anfassen und auf dem Bäuchlein streicheln lassen, und plötzlich war das Zimmer sein persönliches Revier und jeder, der es betrat, ein Feind. Er stürzte sich nicht, wie sonst, auf die Leckereien, sondern auf das Lebewesen, das sein Reich betrat.
Sir Henry, der Jagdbasset wurde genauso gezwickt, wie meine Schwester und meine Nichte. Mit Vorliebe biß er in weiche Teile, wie Hals und Oberarm, packte aber auch eine Ferse und ließ dann nicht mehr los.
Die Familie war verzweifelt. Meine Nichte fütterte nur noch ein Reitstiefeln, Mofahelm, Schaal und Handschuhen. Es gelang, den Winzling, gut in obige Montur eingepackt, zu fangen und in seinen alten Käfig zu sperren.
Auch in seinem Käfig, oder vielleicht gerade dort biß er sich in jeder Hand fest, die ihm das Futter reichen wollte. Es war nur noch möglich zu füttern, wenn eine Trennwand in die Mitte des Käfigs geschoben wurde, zwischen Nest und Futterstelle.
In Oberbergheim war der kleine wieder ruhiger geworden, bewohnte nun ein Zimmer von ca. 20 qm für sich alleine, hatte ein Nest unter der Spüle in einer Plastiktüte mit Katzenstreu, eins in seinem Käfig, dessen Tür immer offen stand, sowie ein Nest in einem nicht mehr benutzten alten Herd.
Der Versuch, das vierte Nest im Bettkasten der Besucher-Bettcouch zu errichten, wurde leider von uns immer wieder vereitelt, obwohl Winzi schon sämtliche Fransen eines ziemlich teuren Reiseplayds abgefressen und für den Nestbau verwendet hatte. Winzi wurde also von uns regelmäßig aus dem Bettkasten der Bettcouch vertrieben.
Wir hatten das Gefühl, daß das Hörnchen sich in Oberbergheim gut eingelebt hatte und auch ohne seine Artgenossen ganz glücklich lebte.
Sein Futter wurde jeden Tag in seinen alten Käfig gelegt und von dort aus transportierte er es in seine einzelnen Nester und Verstecke.
Einige Blumentöpfe voll Gras sollten ihm Natur vermitteln und auch diese mußten als Nußverstecke herhalten. Nüsse und Körner fanden wir in jeder Ecke, in jedem Schuh. Eigentlich machten wir uns, weil Winzi ja sogar Sir Henry angegriffen hatte, keine Sorgen wegen Laura. Da wir aber nun so einen kleinen Mausekiller im Haus hatten, war der erste Grundsatz für uns, daß Winzis Tür immer gut verschlossen war. Laura sollte zudem gar nicht erst mitbekommen, daß es hier einen Winzi gab.
Das Morden in unserem Garten ging weiter. Ich hatte so das Gefühl, als hätte Laura es sich in den Kopf gesetzt, der Mäuseplage in Oberbergheim ein Ende zu bereiten.
Bereits am ersten Tag schaffte sie eine von mir gesichtete Menge von 6 toten Mäusen auf unseren Teppichen. Als sie mit der 7. Maus ankam, reichte es mir mittlerweile. Ich wollte Laura die Maus abnehmen und die ließ diese nur widerwillig aus der Schnauze. Dabei stellte ich fest, daß die Maus noch lebte, denn sie rannte ganz schnell unter unseren Küchenschrank. Laura natürlich wieder sofort hinterher, allerdings hatte sie keine Chance mehr, die Maus unter dem Küchenschrank vorzuholen.
Das konnte ja heiter werden. Jetzt bekamen wir die Mäuse auch lebend in die Bude.
Ich schickte Laura wieder nach draußen und sie trollte sich beleidigt. Auf in den Garten, da gab”s ja noch mehr zu tun und keiner nahm einem die Mäuse wieder weg.
Sie hatte schnell kapiert, daß ihr die Mäuse in die Wohnung abgenommen wurden. Von dieser Zeit an brachte sie die Mäuse nur noch nachts mit hinein und morgens fand ich dann hin und wieder auf dem Berberläufer den Rest einer Mausemahlzeit sowie einen Blutfleck. Ich ekelte mich furchtbar und rollte somit vor dem Schlafengehen, wenn Laura auf der Rolle war, die Teppiche auf.
Laura hatte sich also prima eingelebt. Bei uns konnte sie kommen und gehen, wie es ihr paßte. Ihr Lieblingsplatz am Tag war die Diele. Dort steht eine alte Kommode und auf dieser saß sie mit Vorliebe, um ganz zentral unser Treiben zu beobachten. Ich legte ihr eine Decke dort hin, und das wurde dann sofort ihr Stammplatz.
Eigentlich war Laura eine sehr reinliche Katze, die sich sofort anfing zu putzen, wenn sie ins Haus kam.
In Oberbergheim hatte sie bald so viel zu tun und war dann vom Tun so müde, daß sie keine Zeit mehr zum Putzen fand. Sie fiel sofort in tiefen Schlaf, sobald sie zu Hause war. Ihr Fell wurde struppiger und sie bekam schon Ähnlichkeit mit Minzi und Kater, zwei schwarzen Katzentieren, die in unserer Umgebung herumstreunten und hin und wieder zu uns kamen um zu fressen.
Jörn verordnete aus diesem Grund eine Nacht Stubenarrest und Laura protestierte lauthals in dieser Nacht, daß sie nicht hinaus durfte. Am nächsten Morgen lag eine kleine tote Maus im Wohnzimmer auf dem Teppich. Ich schätze, es war die kleine Maus, die am ersten Tag unter den Küchenschrank geflüchtet war. Nun hatte Laura auch sie erwischt. Laura hatte allerdings auch ihr Fell in dieser Nacht wieder auf Vordermann gebracht. Schon sehr früh an diesem Morgen brachte sie uns durch anhaltendes Geschrei bei, daß es Zeit sei, für die Morgenvisite im Garten.
Um noch etwas schlafen zu können, öffneten wir das Küchenfenster und ließen sie hinaus.
Sehr bald war die schwarze Katze mit dem roten Halsband in Oberbergheim bekannt. Selbst der kleine schwarze Kater folgte ihr ständig, obwohl sie doch sterilisiert war. Die Nachbarn beneideten mich um meinen Mäusefänger und jeder sah sie äußerst gern in seinem Garten. Es wurde sogar der Vorschlag gemacht, Laura reihum auszuleihen und für immer dazubehalten.
Die Mauseleichen in unserem Garten waren bald nicht mehr zu übersehen. Laura war ständig in Aktion.
Eigentlich hätten ihr ja die Mäuse im Garten genügen müssen. Nein, sie war immer äußerst interessiert an der verschlossenen Tür im ersten Stock, Winzi”s Reich. Sobald ich nach oben ging, um Winzi zu füttern, raste Laura hinter mir her. Empört kratzte sie an der Tür und verlangte Einlaß. Sie konnte es einfach nicht verstehen, ausgeschlossen zu werden, wo doch schließlich dieses Zimmer von ihr noch nicht besichtigt worden war.
So geschah es dann eines Tages, daß Laura wieder vor der Tür hockte und maulte.
Ich reinigte gerade den Käfig von Winzi. Das Tierchen war so sauber, daß es immer die selbe Ecke im Käfig für sein Geschäftchen benutzte. Winzi saß wohl in einem seiner Nester, denn er hatte sich mir noch nicht gezeigt. Jörn kam nach oben, um mir zu helfen und ließ Laura ins Zimmer, denn eigentlich drohte ja keine Gefahr, wenn wir dabei waren.
Laura stürzte sich sofort auf den Käfig und versuchte, durch das viel zu kleine Türchen ins Innere zu gelangen, wie es so gut nach Mäuschen roch. Sie hangelte mit dem Pfötchen hinein und wir fanden sie in diesem Moment eigentlich putzig und wußten ja, daß sie das Nest nicht erreichen konnte. Wir entfernten sie vom Käfig und setzten sie auf die Couch um Winzi noch seinen Joghurt und frisches Wasser in den Käfig stellen zu können.
In dieser kurzen Zeit muß sie wohl Winzi im Bettkasten der Couch gehört oder gewittert haben, jedenfalls gab es in der Ecke des Zimmers einen Tumult.
Vielleicht hatte Winzi die Katze mit Sir Henry verwechselt und etwas zwicken wollen, Sir Henry hatte dann immer nur sehr blöd geguckt. Es ging im Augenblick aber so schnell, daß wir nicht erfassen konnten, was geschehen war, Winzi raste jedenfalls an uns vorbei in sein Nest im Herd, vor Laura in Sicherheit.
Laura wurde aus dem Zimmer geworfen, es war ja noch einmal gut gegangen.
Am nächsten Tag war Winzis Joghurt unberührt und ich machte mir Sorgen um ihn, denn den Joghurt fraß er immer. In seinem Nest im Herd war er nicht und ich schaute in Nest Nr. 2. in der Plastiktüte unter der Spüle.
Da lag der kleine Kerl, tot.
Wir nehmen an, daß er den Schreck nicht überlebt hat und an dem Streß gestorben ist, denn er hatte keine Verletzung.
Wir begruben Winzi in unserem Garten.
Laura strebte weiterhin hinauf in Winzis Zimmer, sobald sich eine Gelegenheit bot.
Winzi war schon längst begraben und ich hatte seinen Käfig und die Nester schon entfernt, da saß sie auf der Couch und wartete stundenlang auf das kleine Hörnchen.
Sie hat es einfach nicht kapiert, daß es kein Hörnchen mehr gab.
hier noch ein Ausschnitt aus Utas Erzählung "Wir und die Tiere, die uns nicht gehören".
Fortsetzung folgt.
Wir holten Laura bei Manon ab und mußten schon beim Einladen der Katze ins Wohnmobil aufpassen, daß sie nicht entwischte. Die Fahrt zu uns war schlimm. Laura schrie ununterbrochen und krallte sich in die Autositze oder in uns. Die 1 1/2 Stunden Fahrt wurden zur Ewigkeit. Wir waren froh, als wir Oberbergheim endlich erreicht hatten.
Es war schon längst dunkel und Laura zog an Ihrer Leine der Haustür entgegen. Wieder festen Boden unter den 4 Füßen, da war auch ihr Geschrei verstummt. Wir öffneten die Tür und Laura zog uns förmlich in die Wohnung.
Das Veloursgeschirrchen, das Laura während der Fahrt getragen hatte, wurde abgenommen und sie behielt nur ihr rotes Halsband um, denn daran wollte ich sie später von den anderen schwarzen Katzen und Katern in Oberbergheim unterscheiden können. Außerdem hatte ich Angst, daß mein Urlaubsgast vielleicht weggefangen werden könnte. Mit dem roten Halsband war sie überall als private Hauskatze zu erkennen.
Laura begann sofort, die Wohnung zu erforschen. Jeder Winkel wurde begutachtet, einschließlich des Badezimmers. Ich hatte ihr Katzenklo mit dem entsprechenden Streu gefüllt und in die Diele gestellt. Ich zeigte es ihr und Laura stieg auch sofort hinein und machte einen Bach.
- Das klappte also in der neuen Umgebung auch. -
Dann strich Laura ins Wohnzimmer, suchte sich den besten Platz auf der Couch und schlief erst mal.
Die Nacht verlief ruhig und früh am Morgen streifte ein schnurrendes schwarzes Tier über unsere Gesichter. Laura hatte ausgeschlafen.
Während ich im Bad meine Wasserspiele trieb, saß Laura auf dem Klodeckel und schaute zu. Sie ignorierte mich nicht mehr, wie bei unserem Kennenlernen, vielleicht spürte sie, daß ich in der Zwischenzeit mein Katzenabitur gemacht hatte.
An ihrem Frühstück war Laura überhaupt nicht interessiert. Sie schmuste mit mir, warf sich auf dem Teppich und mußte auf dem Bauch und dem Rücken gekrault werden. Hörte ich auf, hatte sie wohl Langeweile und lief hinter mir her und sagte pausenlos: «Mau, mau, mau!»
Dann sprang sie auf das Fensterbrett und schaute hinaus. Die Schwalben flogen bei Mutter Becker”s Deele ein und aus und Laura verfolgte ihren Flug ganz genau, - Kopf hin, Kopf her. Dann balancierte sie das Fensterbrett entlang und begann, meinen Papyros anzuknabbern.
Nun aber Schluß, ich schickte sie nach draußen auf die Wiese, um dort ein bißchen das Gras zu mähen, mein Papyros war mir dazu wirklich zu schade.
Ich öffnete also das Fenster in der Küche, denn es liegt nur ca. 1 1/2 Meter über dem Erdboden. Dort hob ich Laura auf das Fensterbrett und ließ ihr die frische Morgenluft um die Nase wehen.
Ein bißchen Angst hatte ich schon, bei dem Experiment, Laura nach draußen zu schicken. Würde Laura sich auch nicht verlaufen?
Sie setzte zuerst eine, dann die andere Pfote auf die äußere Fensterbank, schob den Rest des Körpers geschmeidig nach und setzte sich erst mal. Von oben betrachtete sie die Landschaft. Dann sah sie Vögel hin- und herfliegen und sprang hinab in den Garten. Dort veranlasste sie die Vögel erst einmal zur Flucht.
Laura fand das alles unheimlich aufregend. Sie beobachtete jedes Rascheln im Gras und kaute an den Grashalmen, diese schienen noch besser zu schmecken, als mein Papyros. Der kleine schwarze Zimmertiger genoß die Freiheit und die Sonne.
Ich wandte mich meinen häuslichen Arbeiten zu und hoffte nur, daß Laura nicht zu weit fortstromerte.
Als ich nach ca. einer halben Stunde nach ihr schaute, saß sie immernoch draußen auf der Wiese und beobachtete äußerst aufmerksam das Gras.
Im Aschenbecher auf dem Fensterbrett lag eine kleine tote Maus, fein in den weißen Alabaster-Ascher drapiert. - OH -
Die Maus wanderte in den Mülleimer, mit dem Stoßgebet: «Mäuse, da draußen, verdrückt Euch».
Weiter mit dem Staubwischen und Bettenmachen.
Beim neuerlichen Betreten der Küche liegt etwas kleines auf dem Teppich, - schon wieder eine tote Maus. Wann hat Laura denn die schon wieder nach drinnen gebracht? - Das kann ja heiter werden. Schließlich wohnt im Zimmer in der oberen Etage völlig frei unser Winzi, unser Streifenhörnchen.
Ich bekam Winzi, als er ein halbes Jahr alt war und konnte ihn leider nicht sehr lange bei mir in der Wohnung behalten, da meine Wohnverhältnisse nicht mit seinem Freiheitsdrang zu koordinieren waren. Das Leben nur in einem wenn auch recht großen Käfig war für ihn so schlimm, daß er Meister wurde im Öffnen von Käfigtüren und Knacken von Käfiggittern. so lebte er über ein Jahr bei meiner Schwester und ihrer Familie und konnte sich dort frei bewegen. Erst in Oberbergheim konnte ich ihm ein kleines Reich für sich bieten.
Bei meiner Schwester war Winzi erwachsen geworden und hatte sich zu einem ziemlichen Raudi entwickelt. Das hört sich vielleicht etwas vermessen für ein Hörnchen an. Doch Winzi hatte es geschafft, der ganzen Familie einschl. Hund Sir Henry das Fürchten zu lehren.
Beim Fressen liebte er die absolute Abwechslung, Erdnüsschen, Haselnüsschen, Walnüsschen und Paranüsse, diese allerdings aufgeknackt, sowie Äpfelchen sowie jedes Stein und Beerenobst, Körner, Mörchen, Blumenkohl, Salat, Gras, Klee, Schokolade und Plätzchen (er pflegte Plätzchen zu stehlen, wo es nur ging), sowie Früchtejoghurt, diesen allerdings nur von der besten Sorte.
Selbst eine 10 kg-Tüte mit Pferdeleckerli, die nun wirklich nicht für ihn gedacht war, nagte er eines Nachts an und versteckte mindestens die Hälfte davon im ganzen Zimmer. Meine kleine Nichte konnte später keine Socken anziehen, ohne erst mal die Pferdeleckerli entfernen zu müssen. Selbst in die Blumentöpfe hatte er sie eingegraben.
Zur täglichen Fütterung machte meine Schwester immer einen Teller fertig mit vielen verschiedenen Leckereien zur Auswahl. Winzi sprang dann von der Gardinenstange oder vom Schrank aus direkt auf sie, und begann, die Leckereien zu transportieren. Nester legte er übrigens überall an, im Bettkasten, in Schubladen, selbst in einem ausgefressenen Teddy.
Im Herbst kam er in die Brunft (oder wie man das bei einem Hörnchen nennt) und wurde plötzlich böse. Früher hatte er sich anfassen und auf dem Bäuchlein streicheln lassen, und plötzlich war das Zimmer sein persönliches Revier und jeder, der es betrat, ein Feind. Er stürzte sich nicht, wie sonst, auf die Leckereien, sondern auf das Lebewesen, das sein Reich betrat.
Sir Henry, der Jagdbasset wurde genauso gezwickt, wie meine Schwester und meine Nichte. Mit Vorliebe biß er in weiche Teile, wie Hals und Oberarm, packte aber auch eine Ferse und ließ dann nicht mehr los.
Die Familie war verzweifelt. Meine Nichte fütterte nur noch ein Reitstiefeln, Mofahelm, Schaal und Handschuhen. Es gelang, den Winzling, gut in obige Montur eingepackt, zu fangen und in seinen alten Käfig zu sperren.
Auch in seinem Käfig, oder vielleicht gerade dort biß er sich in jeder Hand fest, die ihm das Futter reichen wollte. Es war nur noch möglich zu füttern, wenn eine Trennwand in die Mitte des Käfigs geschoben wurde, zwischen Nest und Futterstelle.
In Oberbergheim war der kleine wieder ruhiger geworden, bewohnte nun ein Zimmer von ca. 20 qm für sich alleine, hatte ein Nest unter der Spüle in einer Plastiktüte mit Katzenstreu, eins in seinem Käfig, dessen Tür immer offen stand, sowie ein Nest in einem nicht mehr benutzten alten Herd.
Der Versuch, das vierte Nest im Bettkasten der Besucher-Bettcouch zu errichten, wurde leider von uns immer wieder vereitelt, obwohl Winzi schon sämtliche Fransen eines ziemlich teuren Reiseplayds abgefressen und für den Nestbau verwendet hatte. Winzi wurde also von uns regelmäßig aus dem Bettkasten der Bettcouch vertrieben.
Wir hatten das Gefühl, daß das Hörnchen sich in Oberbergheim gut eingelebt hatte und auch ohne seine Artgenossen ganz glücklich lebte.
Sein Futter wurde jeden Tag in seinen alten Käfig gelegt und von dort aus transportierte er es in seine einzelnen Nester und Verstecke.
Einige Blumentöpfe voll Gras sollten ihm Natur vermitteln und auch diese mußten als Nußverstecke herhalten. Nüsse und Körner fanden wir in jeder Ecke, in jedem Schuh. Eigentlich machten wir uns, weil Winzi ja sogar Sir Henry angegriffen hatte, keine Sorgen wegen Laura. Da wir aber nun so einen kleinen Mausekiller im Haus hatten, war der erste Grundsatz für uns, daß Winzis Tür immer gut verschlossen war. Laura sollte zudem gar nicht erst mitbekommen, daß es hier einen Winzi gab.
Das Morden in unserem Garten ging weiter. Ich hatte so das Gefühl, als hätte Laura es sich in den Kopf gesetzt, der Mäuseplage in Oberbergheim ein Ende zu bereiten.
Bereits am ersten Tag schaffte sie eine von mir gesichtete Menge von 6 toten Mäusen auf unseren Teppichen. Als sie mit der 7. Maus ankam, reichte es mir mittlerweile. Ich wollte Laura die Maus abnehmen und die ließ diese nur widerwillig aus der Schnauze. Dabei stellte ich fest, daß die Maus noch lebte, denn sie rannte ganz schnell unter unseren Küchenschrank. Laura natürlich wieder sofort hinterher, allerdings hatte sie keine Chance mehr, die Maus unter dem Küchenschrank vorzuholen.
Das konnte ja heiter werden. Jetzt bekamen wir die Mäuse auch lebend in die Bude.
Ich schickte Laura wieder nach draußen und sie trollte sich beleidigt. Auf in den Garten, da gab”s ja noch mehr zu tun und keiner nahm einem die Mäuse wieder weg.
Sie hatte schnell kapiert, daß ihr die Mäuse in die Wohnung abgenommen wurden. Von dieser Zeit an brachte sie die Mäuse nur noch nachts mit hinein und morgens fand ich dann hin und wieder auf dem Berberläufer den Rest einer Mausemahlzeit sowie einen Blutfleck. Ich ekelte mich furchtbar und rollte somit vor dem Schlafengehen, wenn Laura auf der Rolle war, die Teppiche auf.
Laura hatte sich also prima eingelebt. Bei uns konnte sie kommen und gehen, wie es ihr paßte. Ihr Lieblingsplatz am Tag war die Diele. Dort steht eine alte Kommode und auf dieser saß sie mit Vorliebe, um ganz zentral unser Treiben zu beobachten. Ich legte ihr eine Decke dort hin, und das wurde dann sofort ihr Stammplatz.
Eigentlich war Laura eine sehr reinliche Katze, die sich sofort anfing zu putzen, wenn sie ins Haus kam.
In Oberbergheim hatte sie bald so viel zu tun und war dann vom Tun so müde, daß sie keine Zeit mehr zum Putzen fand. Sie fiel sofort in tiefen Schlaf, sobald sie zu Hause war. Ihr Fell wurde struppiger und sie bekam schon Ähnlichkeit mit Minzi und Kater, zwei schwarzen Katzentieren, die in unserer Umgebung herumstreunten und hin und wieder zu uns kamen um zu fressen.
Jörn verordnete aus diesem Grund eine Nacht Stubenarrest und Laura protestierte lauthals in dieser Nacht, daß sie nicht hinaus durfte. Am nächsten Morgen lag eine kleine tote Maus im Wohnzimmer auf dem Teppich. Ich schätze, es war die kleine Maus, die am ersten Tag unter den Küchenschrank geflüchtet war. Nun hatte Laura auch sie erwischt. Laura hatte allerdings auch ihr Fell in dieser Nacht wieder auf Vordermann gebracht. Schon sehr früh an diesem Morgen brachte sie uns durch anhaltendes Geschrei bei, daß es Zeit sei, für die Morgenvisite im Garten.
Um noch etwas schlafen zu können, öffneten wir das Küchenfenster und ließen sie hinaus.
Sehr bald war die schwarze Katze mit dem roten Halsband in Oberbergheim bekannt. Selbst der kleine schwarze Kater folgte ihr ständig, obwohl sie doch sterilisiert war. Die Nachbarn beneideten mich um meinen Mäusefänger und jeder sah sie äußerst gern in seinem Garten. Es wurde sogar der Vorschlag gemacht, Laura reihum auszuleihen und für immer dazubehalten.
Die Mauseleichen in unserem Garten waren bald nicht mehr zu übersehen. Laura war ständig in Aktion.
Eigentlich hätten ihr ja die Mäuse im Garten genügen müssen. Nein, sie war immer äußerst interessiert an der verschlossenen Tür im ersten Stock, Winzi”s Reich. Sobald ich nach oben ging, um Winzi zu füttern, raste Laura hinter mir her. Empört kratzte sie an der Tür und verlangte Einlaß. Sie konnte es einfach nicht verstehen, ausgeschlossen zu werden, wo doch schließlich dieses Zimmer von ihr noch nicht besichtigt worden war.
So geschah es dann eines Tages, daß Laura wieder vor der Tür hockte und maulte.
Ich reinigte gerade den Käfig von Winzi. Das Tierchen war so sauber, daß es immer die selbe Ecke im Käfig für sein Geschäftchen benutzte. Winzi saß wohl in einem seiner Nester, denn er hatte sich mir noch nicht gezeigt. Jörn kam nach oben, um mir zu helfen und ließ Laura ins Zimmer, denn eigentlich drohte ja keine Gefahr, wenn wir dabei waren.
Laura stürzte sich sofort auf den Käfig und versuchte, durch das viel zu kleine Türchen ins Innere zu gelangen, wie es so gut nach Mäuschen roch. Sie hangelte mit dem Pfötchen hinein und wir fanden sie in diesem Moment eigentlich putzig und wußten ja, daß sie das Nest nicht erreichen konnte. Wir entfernten sie vom Käfig und setzten sie auf die Couch um Winzi noch seinen Joghurt und frisches Wasser in den Käfig stellen zu können.
In dieser kurzen Zeit muß sie wohl Winzi im Bettkasten der Couch gehört oder gewittert haben, jedenfalls gab es in der Ecke des Zimmers einen Tumult.
Vielleicht hatte Winzi die Katze mit Sir Henry verwechselt und etwas zwicken wollen, Sir Henry hatte dann immer nur sehr blöd geguckt. Es ging im Augenblick aber so schnell, daß wir nicht erfassen konnten, was geschehen war, Winzi raste jedenfalls an uns vorbei in sein Nest im Herd, vor Laura in Sicherheit.
Laura wurde aus dem Zimmer geworfen, es war ja noch einmal gut gegangen.
Am nächsten Tag war Winzis Joghurt unberührt und ich machte mir Sorgen um ihn, denn den Joghurt fraß er immer. In seinem Nest im Herd war er nicht und ich schaute in Nest Nr. 2. in der Plastiktüte unter der Spüle.
Da lag der kleine Kerl, tot.
Wir nehmen an, daß er den Schreck nicht überlebt hat und an dem Streß gestorben ist, denn er hatte keine Verletzung.
Wir begruben Winzi in unserem Garten.
Laura strebte weiterhin hinauf in Winzis Zimmer, sobald sich eine Gelegenheit bot.
Winzi war schon längst begraben und ich hatte seinen Käfig und die Nester schon entfernt, da saß sie auf der Couch und wartete stundenlang auf das kleine Hörnchen.
Sie hat es einfach nicht kapiert, daß es kein Hörnchen mehr gab.
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