Ir al contenido principal

Ein Liebesbrief eines Reiseleiters

Inmitten von einer Pandemie, in Unwissenheit davon, wie es weitergeht, aber mit viel Glauben, schreibe ich weiter.




Bis heute hatte ich noch keinen meiner Liebesbriefe an Uta veröffentlicht.  Der folgende Brief stammt ebenfalls aus der Zeit unserer vorläufigen Trennung von Mai bis Dezember 1992.  Ich habe ihn teilweise auf einer Fotokopie der Liste der Reisegäste geschrieben, die ich eine Woche lang in der Gran Sabana immer bei mir in einer Mappe hatte.






06.10.92
Meine geliebte Uta,
Ich habe gestern um 3 Uhr (bei mir) versucht, Dich vom Hilton Hotel aus anzurufen, ich habe es aber nicht geschafft. Ich habe Deine Stimme gehört, als Du "Hallo" sagtest, Du hast sogar gehustet, Du konntest mich aber nicht hören. Ich wollte mit Dir sprechen denn ich habe ab morgen nochmals eine Rundreise, es geht diesmal um die "klassische Venezuela-Rundreise" von Air Conti, diesselbe, die ich vor einem Jahr machte. Die Route hat sich ein bißchen verändert, aber die Orten sind genau diesselben. Ich werde Fotos für Dich machen od. zumindest einen Reisebericht davon. Ich habe kaum Zeit um Dir zu schreiben, es ist mir heute eilig, ich schreibe Dir von einer Bibliothek aus. Ich bin erst gerade vom Ausländeramt gekommen, ich war dabei, mir den Reisepaß zu besorgen. Es ist zur Zeit 25 nach 11, ich will Dich um zwölf anrufen (das ist um 5 bei Dir). Ich muß noch den Umschlag abholen, der Du mir zurückschicktest, deshalb muß ich in die Bibliothek zu Sigi fahren. Ich muß auch zum Friseur und habe am Nachmittag einen kleinen privaten Unterricht. Ich habe den Auftrag bekommen, einem 3-jährigen Jungen manche deutsche Grundkenntnisse beizubringen, denn er hat gerade den Kindergarten in der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde begonnen. Ich verdiene damit eine Kleinigkeit, genau Bs. 150 die Stunde, ich habe aber damit Geld genug, um Dir Briefe zu schicken (die Übersetzungen meiner Unterlagen waren sehr sehr teuer). Ich lege Fotokopien der Liste der Gruppe (4 Paare! 8 Personen + ich) und der Route auf Spanisch bei. Mach Dich keine Sorgen um mich, ich denke immer positiv und alles wird klappen. Ich schreibe Dir von heute an häufiger, denn ich habe Dich lieb vor allem und Du bist immer in meinen Gedanken. Ich wollte auf alles beantworten, war Du mich in Deinen Briefen fragst. Der lange Brief mit den Antworten auf Deine Fragen, habe ich aber noch nicht beendet. Oh, meine Prinzessin, meine geliebte Uta, Deine zahllosen Briefe machen mich sooo glücklich! Mache Dir keine Sorgen um mich, ich habe zwar Sehnsucht nach Dir, ich wollte Dich wieder umarmen und küssen und Deine Stimme nicht mehr vom Lautsprecher her hören, ich habe aber Geduld und weiß, daß alles klappen wird. Meine Liebe begleitet Dich, wir sind eins in der Liebe, der Zuneigung, der Zärtlichkeit und der Hoffnung auf ein schönes Leben beisammen. Denke an mich, ich habe Dich lieb und begehre Dich und freue mich schon auf unsere schöne Zeiten beisammen, Zeiten des Wachstums, des Lernens und der Harmonie mit Gott und dem Universum. Du bist die Sonne die mich erwärmt und ernährt. Ich küsse und umarme Dich in Gedanken und träume von Dir
Dein Froschelito
Sérvulo.

Folgende Zeilen habe ich an der Rückseite der Fotokopie der Liste der Reisegäste geschrieben.




In der Luft 07.10.92

Meine über alles geliebte Uta,

Ich schreibe Dir diesmal in der Maschine, die nach Barcelona fliegt. Heute wird die Rundreise anfangen. Mich begleiten Reiki, Deine Glückwünsche und die meiner Familie. Sei gegrüßt, meine Seelenpartnerin. Ich trage heute ein langarmeliges Hemd, denn ich habe die beiden kurzarmeligen Hemde in Ciudad Bolívar vergessen. Hoffentlich bekomme ich sie wieder nächsten Sonntag, sobald ich in Ciudad Bolívar bin. Ich bin ruhig und vertraue auf mich selbst. Ich habe diese Rundreise eine ganze Wintersaison gemacht, es war meine Rundreise. Außerdem sind 8 Personen eine ideale Gruppe. (6 Personen können sowieso schwieriger zu behandeln sein als sogar 21 Personen, so wie ich selber es einmal erfuhr!)
Heute Abend schreibe ich Dir weiter. Du bist bei mir in jeden Augenblick, sei es in der Luft od. auf der Erde.
Ich (Herz) Dich


Jetzt schreibe ich Dir im Hotel Caribbean Inn, in Puerto La Cruz, an der Theke der Bar, wo ich eine Piña Colada trinke. Neben mir sitzen zwei Herren die scheinen, betrunken zu sein, denn sie diskutieren mit lauter Stimme über Schauspieler einer Fernseh-Komik-Show. Jetzt spricht einer darüber, wieviel er für seine Familie arbeitet. Das politische (Un-)Behagen, die wir Venezolaner alle fühlen, kommt noch nicht zum Vorschein. Meine 4 Paare schlafen schon (das glaube ich). Auf meiner rechten Seite, etwa einen Meter weit von mir, steht ein Kassettenrekorder, der in diesem Moment "Kuschelrock" spielt, Phil Collins od. Rod Stewart spezifisch. Früher (vor einigen Minuten) spielte er schöne Rock-Schlager der 70er Jahre, die vollen Gefühls waren. (Meine Piña Colada ging zu Ende, jetzt schmecke ich die Kirsche.) Jetzt fliege ich mit Bayern. 2 von ihnen, ein Ehepaar namens Schiemer, sind taubstumm. Ich habe ihnen lange und zum größten Teil schriftlich die Rundreise erklären müssen, ich habe es aber sehr gerne gemacht. Jetzt werde ich überprüfen, wie "menschlich" wir (die "Normalen" der Gruppe + ich selber) in Bezug auf solche Menschen sind. Es ist aber vielleicht viel zu früh, um die Gruppe zu beurteilen, ich kenne sie noch nicht. Wir werden es morgen sehen. Mañana será otro día, Morgen wird ein anderer Tag sein. Von meiner Tehke aus schicke ich Dir Liebe & Küßchen.




Comentarios

Entradas más populares de este blog

Die Gebeine der Zärtlichkeit, von Irene Vallejo: eine neue Übersetzung

 Hallo zusammen, es ist schon wieder so lange her, seitdem ich das letzte Mal hier etwas gepostet habe.  Eine drei Monate lange Reise, und danach die alltäglichen Erledigungen und Gesuche haben mich von diesem Blog ferngehalten.  Aber nun möchte ich diese Tätigkeit wiederaufnehmen, und ich möchte mit diesem schönen Artikel von der spanischen Filologin und preisgekrönten Schriftstellerin Irene Vallejo anfangen, den ich in drei Tagen übersetzt habe. Wie gewöhnt möchte ich an dieser Stelle klarstellen, daß sämtliche Rechte des Originals bei der Autorin liegen, -und bei der spanischen Zeitung, die diesen Artikel Anfang dieses Jahres herausgegeben hat. Die Übersetzung ist eine Übung für mich - eine lebenswichtige Übung. Und nun zum Artikel: DIE GEBEINE DER ZÄRTLICHKEIT Im wechselnden Glück der Zeit, mit ihren Pleiten, Entwertungen und Verlusten, wird sich das, was wir von uns selbst den anderen gegeben haben, als die Sicherste unserer Investitionen herau...

Sanseveria

Hallo zusammen, eines der kuriosesten Dinge, die ich unter dem Nachlaß meiner Schwiegereltern (beide 1995 verstorben) aufgefunden habe, ist ein schlichter Text ohne Datumsangabe, maschinell geschrieben auf einem mittlerweile vergilbten DIN-A4 Blatt. Vielleicht handelte es sich um einen Schreibgeschwindigkeitstest, oder da wollte jemand eine neue Schreibmaschine ( den Word Processor von damals) ausprobieren. Darüber kann ich heute nur Spekulationen anstellen. Hauptsache ist, jemandem war es die Mühe Wert, den Text aufzubewahren. Und nun der Text: Sansevieria Eine Sanseveria Pflanze.  (Quelle:  bluemchen-floristik.de) Lieber Blumenfreund! Bogenhanf ist mein deutscher Name und ich wurde wohl auf Grund der ausserordentlichen Zähigkeit meiner Blattfasern so genannt. Zweifelsohne werde ich durch das gute Aussehen meiner schwertförmigen Blätter eine Zierde für dein Zimmer bilden. Was aber das Wichtigste ist: Ich bin unter der großen Familie der Topfpflan...

Días claros, horas oscuras; otra traducción sobre Franz Kafka

Hallo zusammen, acaba de pasar el centenario de la muerte de Franz Kafka, sobre quien ya subí dos traducciones a este mi blog.  Gracias a mi hermana Georgina pude acceder a un ejemplar de la FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) donde figura este tan interesante artículo.  Y por supuesto no pude resistirme a traducirlo. Como siempre, todos los derechos reposan en la autora y en el periódico. Sirva esta traducción a un propósito meramente didáctico de difusión  - y de ejercicio vital para mi alemán. Y ahora el texto:         DÍAS CLAROS, HORAS OSCURAS Hace 100 años, Franz Kafka moría en Kierling, cerca de Viena.  Quien sigue sus huellas se topa con una vieja tragedia, embriaguez de amor llevada por el viento y un portero moderno.    Por Sandra Kegel, Viena.            La curva febril de Kafka, registrada en el Hospital General de Viena, antes de su mudanza al Sanatorio de Kierling, tal y como está expuest...