Ir al contenido principal

Tagebuch-Eintragungen von einem Arbeitsbienchen (1988)



Hallo zusammen,
folgende sind kurze Tagebuch-Notizen, die Uta Ende der 80er Jahre in ein niedliches Büchlein geschrieben hat.  Damals war sie in eine langjährige Beziehung zu einem gewissen Jörn, «Profi»-Windsurfer und ehemaliger Kampfschwimmer der Bundesmarine, verstrickt. 

Sie hat mir einiges über ihre ehemaligen Beziehungen erzählt, das Büchlein aber habe ich erst nach ihrem Ableben (am 21.07.2006) wiederaufgefunden.  Die Hervorhebung auf Fettdruck stammt von mir.


27.10.1988
Wir haben gestern viel eingekauft.  1 Kamera 1 Hose, dann haben wir Lettmanns zum Essen eingeladen, ein schlapper 1000der ging hinaus.  Für so viele unbedingt wichtige Dinge ist Geld da.  Ein kleines Maschinchen zum Basteln etc.  - aber Grand Canaria fällt für mich aus.  Zu teuer, kein Geld da.  Kommt mir irgendwie bekannt vor.  Habe ich mich schon so daran gewöhnt, meine Wünsche zurückzustellen?  Sonst konnte ich immer nicht mit weil ich arbeiten mußte, nun darf ich auf die Möbel aufpassen. 
Noch im Sommer hieß es immer, im Herbst machen wir was tolles.
Fuerte oder so.
Es macht mich traurig, daß ich immer zurückstehen soll.  Ein Grund findet sich scheinbar immer.  Dabei würde mir die Wärme so gut tun.  Ich bin gar nicht so gut dabei.
Es fällt mir auf, daß ich bei anfallender Arbeit immer mit Freuden gesehen bin.  Wie gern würde ich die Hände mal in den Schoß legen.  Ein böser Gedanke für ein kleines Arbeitsbienchen.

-+-

9.11.1988

Es dauert bei mir immer sehr lange, bis ich Handlungsweisen begreife und versuche, diese zu billigen, z.B. die Sache mit dem Erbe.  Für mich war es immer klar, daß Jörn alles erbt, wenn ich sterbe.  Im Testament habe ich zur Sicherheit Trixi mit eingesetzt, damit die Immobilien nicht für Jörn verloren gehen.  Wenn Trixi + Jörn erben, kann man das nicht streitig machen aus irgendwelchen unbilligen Gründen.  Neulich kam die Sprache auf seine Absicherung mir gegenüber.  Also,  ich bin in einer Lebensversicherung bedacht, DM 48.000,-, seine beiden Kinder erhalten die große Lebensversicherung, DM 100.000,-.  Somit sind Jörns Kinder besser versorgt als ich, denn, ich habe meinen Job für ihn aufgegeben und einen Kredit aufgenommen in Höhe von DM 30.000,-.  Sollte ihm etwas passieren, ist nicht nur das Geld, das ich über den Kredit in das Auto (Bus) gesteckt habe weg, ich werde sogar noch um mein Eigentum kämpfen müssen.  Schließlich gehören mir fast alle Möbel, bis auf die im Büro.  Jörn hat seine Möbel ja beim Umzug von Steinhude nach hier verkauft.  Es wird nicht leicht sein nachzuweisen, was mir gehört.  Ohne Job, denn im Augenblick bin ich total von Jörn abhängig, mit dem Kredit am Hals, bin ich aufgeschmissen.  Das Geld der Lebensversicherung wird mir gerade so weit über die Runden helfen, daß ich hier alles auflösen kann und das muß ganz schnell geschehen.  Zudem muß ich dann auch noch für die ganzen Mietschäden aufkommen, wie Einbau und Ersatz der Küche bzw. Küchenplatte, die hier installiert war.  Das Theater wegen der elektrischen Leitung zur Garage kommt noch hinzu.  Es fällt mir nicht leicht, das alles so zu akzeptieren, ich glaube, Jörn denkt gar nicht darüber nach.  Die Lebensversicherung für seine Kinder soll wahrscheinlich das schlechte Gewissen befriedigen.  Jedenfalls sind Kinder und  Familie gut abgesichert.  Sollte z. Zeitpunkt eines Autounfalles z.B. mit Visa getankt sein, dann erhalten seine Erben -nicht ich- 250.000,- DM.  Um diese ganzen Dinge zu verkraften, muß ich meinen Stellenwert einschätzen, und der scheint halt eben so zu sein, daß ich erst an der Stelle nach seiner Familie komme.  Ich habe eine Partnerschaft ähnlich einer Ehe gesehen, wo jeder versucht, den Partner auch über den Tod hinaus abzusichern.  Ich glaube, Jörn sieht das nich so eng. Ich darf ihn - in Maßen - lieben, für ihm arbeiten und alles Leid und allen Ärger mit ihm teilen, das wär´s dann.  Ich glaube schon, daß er mich auch etwas mag, gehört zur Liebe aber nicht mehr?
Ich habe viel über all das nachgedacht und habe ihn trotzdem lieb.  Dies alles tut nur etwas weh.  Schließlich möchte doch jeder Nr. 1 im Leben des anderen sein.

Wenn ich Lebensversicherung + KREDIT rechne + Verlust meiner Dinge + Möbel, die mir gehören, + Umzug und Abwicklung, dann bleibt nicht mehr viel übrig.  Es wird schwer sein, einen neuen Start zu haben.

Dies alles stünde gar nicht zur Debatte, wenn ich noch einen Job hätte.
Da ich aber ein etwas verspätetes Sonntagskind bin, werde ich schon das Glück haben, ihn zu behalten.  Seine etwas forsche Fahrweise macht mir allerdings etwas Angst.  Ich bin jeden Tag glücklich, wenn er wieder gesund zu Hause ist, denn ich will bestimmt  nicht erben, ich liebe ihn nämlich und möchte ihn viel lieber behalten.  Aber manchmal hat man halt Angst.

./.

Für DM 400,- wird nun auch noch eine Alarmanlage aus Amerika für's  Auto gekauft.  - Wir haben's ja.

Comentarios

Entradas más populares de este blog

Die Gebeine der Zärtlichkeit, von Irene Vallejo: eine neue Übersetzung

 Hallo zusammen, es ist schon wieder so lange her, seitdem ich das letzte Mal hier etwas gepostet habe.  Eine drei Monate lange Reise, und danach die alltäglichen Erledigungen und Gesuche haben mich von diesem Blog ferngehalten.  Aber nun möchte ich diese Tätigkeit wiederaufnehmen, und ich möchte mit diesem schönen Artikel von der spanischen Filologin und preisgekrönten Schriftstellerin Irene Vallejo anfangen, den ich in drei Tagen übersetzt habe. Wie gewöhnt möchte ich an dieser Stelle klarstellen, daß sämtliche Rechte des Originals bei der Autorin liegen, -und bei der spanischen Zeitung, die diesen Artikel Anfang dieses Jahres herausgegeben hat. Die Übersetzung ist eine Übung für mich - eine lebenswichtige Übung. Und nun zum Artikel: DIE GEBEINE DER ZÄRTLICHKEIT Im wechselnden Glück der Zeit, mit ihren Pleiten, Entwertungen und Verlusten, wird sich das, was wir von uns selbst den anderen gegeben haben, als die Sicherste unserer Investitionen herau...

Sanseveria

Hallo zusammen, eines der kuriosesten Dinge, die ich unter dem Nachlaß meiner Schwiegereltern (beide 1995 verstorben) aufgefunden habe, ist ein schlichter Text ohne Datumsangabe, maschinell geschrieben auf einem mittlerweile vergilbten DIN-A4 Blatt. Vielleicht handelte es sich um einen Schreibgeschwindigkeitstest, oder da wollte jemand eine neue Schreibmaschine ( den Word Processor von damals) ausprobieren. Darüber kann ich heute nur Spekulationen anstellen. Hauptsache ist, jemandem war es die Mühe Wert, den Text aufzubewahren. Und nun der Text: Sansevieria Eine Sanseveria Pflanze.  (Quelle:  bluemchen-floristik.de) Lieber Blumenfreund! Bogenhanf ist mein deutscher Name und ich wurde wohl auf Grund der ausserordentlichen Zähigkeit meiner Blattfasern so genannt. Zweifelsohne werde ich durch das gute Aussehen meiner schwertförmigen Blätter eine Zierde für dein Zimmer bilden. Was aber das Wichtigste ist: Ich bin unter der großen Familie der Topfpflan...

Días claros, horas oscuras; otra traducción sobre Franz Kafka

Hallo zusammen, acaba de pasar el centenario de la muerte de Franz Kafka, sobre quien ya subí dos traducciones a este mi blog.  Gracias a mi hermana Georgina pude acceder a un ejemplar de la FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) donde figura este tan interesante artículo.  Y por supuesto no pude resistirme a traducirlo. Como siempre, todos los derechos reposan en la autora y en el periódico. Sirva esta traducción a un propósito meramente didáctico de difusión  - y de ejercicio vital para mi alemán. Y ahora el texto:         DÍAS CLAROS, HORAS OSCURAS Hace 100 años, Franz Kafka moría en Kierling, cerca de Viena.  Quien sigue sus huellas se topa con una vieja tragedia, embriaguez de amor llevada por el viento y un portero moderno.    Por Sandra Kegel, Viena.            La curva febril de Kafka, registrada en el Hospital General de Viena, antes de su mudanza al Sanatorio de Kierling, tal y como está expuest...