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Wir und die Tiere, die uns nicht gehören - 4 -

Hallo zusammen,

nun kommt die Fortsetzung von Utas Erzählung "Wir und die Tiere, die uns nicht gehören".

Fortsetzung folgt.



Die Hunde des Campingbesitzers, zwei traurige ausgemergelte Tiere, machten übrigens Jagd auf die Katzen.  Wir erfuhren, daß die Tiere einfach Hunger hatten.  Andererseits machten sich die spanischen Angestellten des Patrons einen Spaß daraus, die Katzen, die sich in die Bäume geflüchtet hatten, herunterzuschütteln, damit die Hunde sie fassen konnten.  Die Hunde müssen, wie uns erzählt wurde, die Katzen vor den Augen der Touristen zerrissen haben, was einen gewaltigen Aufstand gegeben hatte.  Nun wurde diese böse Sitte nur noch heimlich praktiziert.  Die Katzen flohen sofort in Sicherheit, am liebsten in unseren Wohnwagen, wenn das Reinigungsfahrzeug oder der Müllwagen auf den Platz rumpelten.  Cleo raste in so einem Augenblick am liebsten auf den Wohnwagen und legte sich flach auf den Baldachin vor der Wohnwagentür.  Die anderen Katzen rührten sich in den Pinien nicht und kamen immer erst lange Zeit später wieder herunter.

Seit Tagen beobachteten wir, daß auch eine Meute von wilden Hunden versuchte, auf dem Terrain Fuß zu fassen.  Es handelte sich um Streuner, die man überall an Spaniens und Portugals Stränden findet.
Einer der Hunde war in der Grundfarbe weiß und hatte unregelmäßige braune Flecken im Fell, davon einen großen am Hinterteil, der ihn aussehen ließ, als hätte er eine Tanga-Hose an.  Dazu war seine Nase roséefarben und er hatte einen schlimmen Sonnenbrand darauf.  Der zweite Hund war klein, weiß gelockt, mit braunen und schwarzen Flecken und der Dritte klein, braun, kurzhaarig und der Rudelführer.
Ihn erwischte es zuerst, denn er war auch der vorwitzigste.  Er wurde auf der Straße überfahren. 
Der zweite kleine lockige Hund hatte sich sofort Herrchen und Frauchen ausgeguckt.  Martine und Jean Claude, ein Pärchen aus Grenoble, hatten sich in ihn verliebt und wollten ihn mit nach Hause nehmen.  Er lebte schon den ganzen Urlaub der Beiden mit im Zelt und hing ganz besonders an Martine.
Bei der Heimfahrt sollte er nun selbst entscheiden, ob er mitkommen wollte.
Pepe, so heißt der kleine Kerl heute, wollte jedoch nicht unbedingt Auto fahren.  Er wäre ja in jedem Fall bis nach Grenoble mit den Beiden mitgelaufen, aber in diesen blauen R 4 einzusteigen, das machte ihm Angst.
Da er sich selbst absolut nicht entscheiden konnte, in den R 4 einzusteigen, wurde seine Zukunft für ihn entschieden, er wurde ins Auto gehoben.  Die Tür wurde geschlossen, Pepe schaute Martine angstvoll an und ab ging’s in den Winter von Grenoble.  Hoffentlich übersteht er das.

Nun war nur noch die häßliche weiß-braune Hündin mit der verbrannten Nase übrig.  Wenn sie uns besuchte, bekam sie wie jede Kreatur hier etwas zu fressen und Vaseline auf die Nase.  Das Fressen fand sie toll, die Vaseline liebte sie überhaupt nicht.  Ich entschied dann so, daß es immer erst Vaseline auf die Nase gab und danach einen Napf mit Futter.
Ich beobachtete, wie diese Hündin anfing, sich einem Paar mit Wohnwagen anzuschließen, Helen und Gert.
Die beiden überwinterten für mehrere Monate hier und hatten zu Hause selbst einen Hund.  Helen wollte deshalb zuerst auch überhaupt keinen Kontakt mit irgend einem Tier, aber wer kann schon nein sagen, wenn er so lieb begrüßt wird und eine kleine Hündin morgens sogar vor der Dusche und der Toilette wartet, bis das angebettete Frauchen wieder herauskommt.  Perro, so wurde die kleine Hündin von Helen mittlerweile genannt, ließ Helen keinen Schritt alleine gehen.  Egal was Helen tat, Perro war in der Nähe.  Dann bekam sie natürlich, wie das sich so ergibt, hin und wieder einen Bissen vom Frühstückstisch und bald hatten Helen und Gert einen Hund, den sie eigentlich gar nicht wollten.  Von nun an lief er alle Wege mit ihnen mit, selbst auf die Berge und durch pieksende Sträucher, nur Herrchen und Frauchen nicht verlieren.
Perro schlief nachts im kleinen Vorzelt des Wohnwagens auf Helen’s Liege und ging nie weit fort, höchstens mal die 15 Meter zu uns und den Katzen.  Dabei stellten sie fest, daß Perro wohl mit Katzen aufgewachsen sein muß, denn, an einem Vormittag bekam Perro Streit mit Blondie, wegen eines Restes im Futternapf.  Blondie griff an und Perro ging in der gleichen Art wie Blondie zum Gegenangriff über.  Er stellte sich auf die Hinterbeine, fauchte und schlug mit den Pfoten, genau wie die Katze es tat.  Ich schätze, Perro hatte seine Hundemama so zeitig verloren, daß sie ihm Hundegebaren im Kampf mit kleinen Katzen nicht mehr beibringen konnte.  So verhielt er sich eben wie eine Katze.
Dabei hatte Perro absolut nichts gegen unsere Mietzemäuse.  Wenn er zum zweiten Frühstück rüberkam, und das tat er nun täglich, denn er hätte ja etwas verpassen können, bekam auch er immer sein Töpfchen mit Weißbrot und Milch.  So hockte dann jeder auf unserem Plateau vor seinem Freßnapf, fraß hastig alles in sich hinein, und versuchte dann, sofort noch etwas aus dem Topf des Nachbarn zu stibitzen.  Aus diesem Grund, und um pausenlosen Streit wegen des Futters zu vermeiden, überwachte immer einer von uns das Tierfrühstück.  So gab es keinen Streß.

Perro hatte nun sein erstes Vollbad vor sich.  An und für sich war Perro äußerst wasserscheu und ging noch nicht mal mit den Pfoten in eine Pfütze.  Trotzdem hatte Perro ein relativ weißes Fell.  Helen und Gert hatten Perro mit Flohpuder eingestäubt, denn er sollte ein sauberer Hund sein.  Der Flohpuder stank entsetzlich und selbst Perro war es peinlich, wenn man sagte:  “Perro, Du stinkst.”  Perro drehte dann den Kopf nach unten zwischen den Pfoten, als würde er verstehen, was man gesagt hat.
Helen lieh sich unsere braune Kinderbadewanne aus und dann ging es Perro an den Kragen.  Er wurde in die Wanne gesetzt, die 10 cm mit lauwarmem Wasser gefüllt war.  Dann seifte Helen den Hund mit Haarwaschmittel ein.  Danach wurde er mit lauwarmem Wasser aus dem Kaffekessel abgespült.
Die bernsteinfarbenen Augen waren voller Angst und er wäre am liebsten aus der Wanne gesprungen.  Doch was tut man nicht alles, wenn man 2 Menschen adoptiert hat.
Perro ließ also alles mit sich geschehen, man konnte sein Unglück jedoch an seinem Gesicht ablesen.
Erst als er aus der Wanne gehoben wurde und Helen anfing, ihn mit Frotteetüchern abzureiben, begann er die Prozedur zu genießen.  Ganz besonders schön wurde es aber dann, als die Liege in die Sonne gestellt wurde,  Perro wurde draufgelegt und weiter trockengerieben.  Zur Belohnung gab es ein Stück Brot mit Leberwurst.
Nun war die Welt für Perro wieder in Ordnung.  Ich hatte das Gefühl, daß er seine Position als Mittelpunkt zwischen all den Menschen richtig genoß.  Perro war den Menschen wieder einen Schritt näher gekommen.
Das Bad war jedoch nicht die letzte Aktion.  Gert meinte, Perro hätte Würmer und müßte entwurmt werden.  So wurde in der Farmacia in Tarifa eine Wurmkur erstanden und Perro mußte 8 Tage lang einen Löffel voll einer widerlichen gelben Brühe schlucken.  Er konnte schon die Flasche nicht leiden, war aber jedesmal hin- und hergerissen zwischen Einnahme des Wurmmittels und dem Leckerbissen, den es nach der Einnahme gab.

So war Perro nun die erste kleine wilde Hündin in Spanien, die der deutschen Vorstellung entsprach:  frisch gebadet, entfloht und entwurmt.

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